Stendal l Seit 1991 können in allen 28 EU-Ländern Notrufe einheitlich über die Nummer 112 abgegeben werden. Das wissen nur nicht alle Bürger. Aus diesem Grund wurde der Europäische Tag des Notrufes ins Leben gerufen, um die lebensrettende Nummer noch bekannter zu machen. Der 11.2. wurde wegen der Zahlengleichheit der Notrufnummer 112 dafür ausgewählt.

"Der Notruf ist EU-weit kostenlos", erzählt Sebastian Stoll, der als Zweiter Beigeordneter des Landrates für das Rettungswesen im Landkreis Stendal zuständig ist. "Unter dieser Rufnummer ist immer eine Leitstelle zu erreichen, die je nach Notfall Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr alarmiert." Auch von einem deutschen Mobiltelefon kann diese Rufnummer im Ausland kostenlos angerufen werden.

"Wer im Altmarkkreis die 112 wählt, landet bei uns"

Seit vergangenem Jahr ist die Leitstelle in der Wendstraße Anlaufstelle für alle Notrufe in den Kreisen Stendal und Salzwedel. "Wer im Altmarkkreis die 112 wählt, wird automatisch durch Funkzellen zur Integrierten Leitstelle Stendal - der ILS - weitergeleitet", sagt Stoll.

Im letzten Jahr sind rund 35000 Notrufe eingegangen. Die Leitstelle ist 365 Tage im Jahr rund um die Uhr in zwei Schichten besetzt. In jeder Zwölfstundenschicht ist die Leitstelle mit drei Mitarbeitern belegt. "Unsere Mitarbeiter sind alle qualifiziert, um im Zweifel auch erste Hilfeanweisungen am Telefon zu geben", erzählt Stoll. Wer in der Leitstelle arbeitet, muss im Rettungsdienst mindestens bis zum Rettungsassistenten und bei der Feuerwehr mindestens bis zur Führungskraft ausgebildet sein.

Die Integrierte Leitstelle Stendal koordiniert 13 Rettungswachen, davon sieben im Landkreis Stendal und sechs im Landkreis Salzwedel, mit insgesamt 32 Einsatzfahrzeugen. "Für den Fall, dass alle Wagen im Einsatz sind und nicht rechtzeitig am Unfallort eintreffen würden, werden Hubschrauber von der Luftrettung losgeschickt", sagt Stoll. Für die Landkreise Stendal und Salzwedel stehen Hubschrauber von den vier Standorten Perleberg, Magdeburg, Brandenburg und Uelzen zur Verfügung.

Es ist Aufgabe der ILS-Mitarbeiter, zu entscheiden, welche Fahrzeuge von wo rausgeschickt werden. Wer den Notruf wählt, muss darüber Auskunft geben, was passiert ist, wann, wo, wieviele Personen betroffen sind und wer meldet, weil jede Minute zählt. Je nach Angaben wird neben dem Rettungs- und Notarztwagen auch die Feuerwehr über einen Pieper angefordert und zum Unfallort geschickt. "Der Rettungswagen, besetzt mit einem Rettungsassistenten und Sanitäter, muss spätestens nach zwölf Minuten den Unfallort erreicht haben und leistet die Vorarbeit für den Notarzt", sagt Stoll. Nach spätestens 20 Minuten müsse auch der Notarztwagen am Ziel angekommen sein.

Sollte das zeitlich nicht möglich sein, werde ein Hubschrauber mit Notarzt geschickt. Die Zeiten seien vom Rettungsdienstgesetz vorgegeben und je nach Bundesland unterschiedlich geregelt.

Die Nummer 116117 ist kostenlos und soll Leitstellen entlasten

Seit Mitte April 2012 gibt es den ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung, um die 112 zu entlasten. Unter 116117 sind bundesweit niedergelassene Ärzte nachts und an den Wochenenden erreichbar, um in dringenden Fällen wie bei hohem Fieber oder starken Bauchschmerzen ambulant zu behandeln. Krankheiten kennen keine Sprechzeiten - aber nicht immer ist ein Notarzt nötig. Stoll: "Wer uns anrufen möchte, soll das tun, denn dafür sind wir da."

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