Stendal l Das Landgericht Stendal hat gestern in einem reinen Indizienprozess einen Maßregelinsassen wegen versuchter sexueller Nötigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Zugleich ordnete die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Simone Henze-von Staden die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses (Maßregelvollzug) an.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der seit 1995 im Maßregelvollzug befindliche 35-Jährige bei einem genehmigten Einzelausgang am 11. Dezember 2011 eine Frau auf dem Weg zum außerhalb von Uchtspringe befindlichen Bahnhof von hinten angefallen hat.

Er habe der Frau zunächst an den Hals gegriffen, wobei er sie "nicht nur verletzt, sondern in potenzielle Lebensgefahr gebracht" habe. Damit schloss sich das Gericht dem Gutachten von Rechtsmedizinerin Dr. Katja Jachau an.

Zudem war unter den Fingernägeln des Opfers DNA gesichert worden, die vom LKA eindeutig dem Angeklagten zugeordnet werden konnte.

Die Frau, die sich zur Tatzeit im Salus-Fachklinikum zur Therapie aufhielt, hatte als Zeugin nur von einer dunklen und maskierten Gestalt mit entblößtem Geschlechtsteil berichtet. Zunächst habe sie sich aus Angst nicht gewehrt, später aber schon sehr heftig, wobei sie den Täter möglicherweise auch gekratzt habe.

Der schon seit Kindheit von Gutachtern als verhaltensauffällig beschriebene Angeklagte hatte vor Gericht geschwiegen.

35-Jähriger hatte sich schon mehrfach entblößt

Über seinen Anwalt hatte er im Ermittlungsverfahren zunächst erklären lassen, dass er nicht wisse, wie seine DNA unter die Fingernägel des Opfers gekommen sei. Später versuchte er, die Frau in ein schlechtes Licht zu rücken. Er ließ über seinen Verteidiger mitteilen, dass die Frau am Tag vor dem Überfall von ihm Zigaretten oder Bargeld gefordert habe. Sie hätte ihn tätlich angegriffen, als er ihr beides verweigert habe. Die Frau hatte indes ausgesagt, dass sie den Angeklagten überhaupt nicht kenne und mit niemandem eine Auseinandersetzung geführt habe.

Dem ärztlichen Direktor des Maßregelvollzugs, der ihn untersucht hatte, hatte der Angeklagte Verletzungen am Unterarm mit Verbrennungen erklärt. Rechtsmedizinerin Jachau schloss diese anhand von damals gefertigten Fotos allerdings aus. Der mehrfach Vorbestrafte hatte sich 1995 in acht Fällen vor jungen Mädchen entblößt. In einem Fall hatte er versucht, ein Mädchen ins Gebüsch zu zerren und war der Flüchtenden bis zu deren Wohnung gefolgt. "Entblößer, die diese Schwelle überschritten haben, sind gefährlich", hatte Gerichtspsychiater Dr. Mohammad Hasan als Gutachter ausgeführt. Der Angeklagte sei "seelisch krank", er leide an einer "Störung der sexuellen Präferenzen". "Es besteht die Gefahr, dass der Angeklagte künftig ähnliche Straftaten begeht." Damit begründete das Gericht die erneute Unterbringung im Maßregelvollzug.