Quasi mit einer Goldmedaille kehrte Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert (Die Linke) von ihrer Reise nach Sotschi zurück. Sie erlebte hautnah den Sieg von Felix Loch im Rennrodeln. Sie führte aber auch politische Gespräche.

Stendal l Groß war der Jubel von Katrin Kunert, als Felix Loch am Sonntagabend über die Ziellinie raste und sich olympisches Gold sicherte. Die kleinlauten Russen nach dem Sieg des Rodlers gehören zu ihren schönsten Erinnerungen an die drei Tage in Sotschi, erzählte die Linke-Bundestagsabgeordnete nach ihrer Rückkehr aus Russland. Ganz so erfolgreich waren ihre anderen Besuche bei Sportereignissen, zu denen die Biathlon-Sprints, der 3000-Meter-Eisschnelllauf der Damen und der Slope-Style-Wettbewerb gehören, nicht. Dennoch ist Kunert mit guten Gefühlen zurückgekehrt, nicht zuletzt weil sie eine fröhliche olympische Stimmung mit aufgeschlossenen Menschen und hilfsbereiten Freiwilligen erlebt hat. Kleiner Wermutstropfen war nur, "dass die leider oft perfekt Englisch gesprochen haben, sodass ich mein Russisch nur wenig habe aufbessern können".

Gespräche mit Menschenrechtlern

Die sportliche Seite war allerdings nicht Kunerts einziger Besuchsgrund. Sie wollte Flagge für Toleranz zeigen und das tat sie gleich bei der Eröffnungsfeier mit der Regenbogenfahne und einer Mütze im gleichen Stil. Außerdem war sie zusammen mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Michaela Engelmeier-Heite bei der Menschenrechtsorganisation Memorial in Sotschi, Thema war die Situation der Gastarbeiter. Viele von ihnen waren ohne gültige Papiere ins Land gekommen, hatten somit keine Rechte. Um die Rechte der Gastarbeiter letztlich auch noch gänzlich "abzuschaffen", seien viele verhaftet, festgesetzt und zwangsausgesiedelt worden, was wiederum bedeute, dass die Gastarbeiter für fünf Jahre nicht mehr nach Russland zurückkehren dürfen.

Zur Situation der Lesben und Schwulen in Russland wurde von Seiten Memorials geschildert, dass wegen der teilweise sehr schwammig formulierten Paragraphen die Menschen im Land die Situation als nicht problematisch einschätzen. Es herrscht die Meinung, es sei richtig, wenn Kinder und Jugendliche vor Information über Homosexualität geschützt werden. Gespräche führten die beiden auch mit der erfolgreichen Eiskunstläuferin und Abgeordneten Irina Rodnina, die sich dafür engagiert, dass der Sport künftig in die Bildung integriert wird. Der Verteidigungsattaché aus der deutschen Botschaft in Moskau informierte über die Situation im Land.

Keine unfertigen Anlagen gesehen

Unfertige Anlagen hat Kunert keine in Sotschi gesehen, höchstens etwas unaufgeräumte Bereiche. "Versäumt haben es die Russen, die Hotels für die Journalisten zuerst fertigzustellen, dann hätte sich so manche negative Berichterstattung erledigt, wenn sie denn für positive Dinge offen gewesen wären", meinte sie verschmitzt.