Stendal l "Meine Tochter ist schwanger." Mit dieser Mitteilung platzte die Mutter des vermeintlichen Opfers gestern im Prozess um Vergewaltigung einer 22-Jährigen durch einen Stendaler (23) als Zeugin heraus.

Den Angeklagten vermute sie als den werdenden Vater, sagte die 42-Jährige dem Gericht auf Nachfrage. Die Schwangerschaft rühre wohl von dem am 31. August stattgefundenen Sex mit dem Angeklagten. Ob dieser Sex einvernehmlich war oder nicht, darum geht es in dem Prozess am Landgericht.

Auf und Ab in der Beziehung


Der Angeklagte behauptet, dass die 22-Jährige, die selbst schon zwei bei den Großeltern aufwachsende Kinder hat, den Sex wollte. Tage zuvor hätte er mit ihr Schluss gemacht. Sie sei dann zu ihm unter dem Vorwand gekommen, Sachen abzuholen.

Wie im Prozess zutage trat, gab es wohl ein Auf und Ab in der mehrjährigen Beziehung. Begleitet von mehr oder minder langen Trennungen. Der Angeklagte soll die 22-Jährige nach Aussage der Mutter in der Vergangenheit mehrfach geschlagen haben. So sei sie konkret von ihr 2011 um Hilfe gerufen worden. Damals habe sie ihre Tochter mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht.

Ärztin: Frau wirkte fahrig und aufgelöst


Im aktuellen Fall hat eine Fachärztin bei einer noch in der vermeintlichen Tatnacht am 31. August in der Frauenklinik durchgeführten Untersuchung "ganzkörperlich keine Zeichen von Gewalt festgestellt". Sie habe aber aufgelöst und fahrig gewirkt, schilderte die Ärztin gestern ihren Eindruck von der 22-Jährigen.

Am Dienstag soll das angebliche Opfer ein zweites Mal in den Zeugenstand, diesmal mit anwaltlichem Beistand. Ob der Prozess dann wie geplant zu Ende geht, darf bezweifelt werden, denn der Verteidiger der 23-Jährigen will weitere Zeugen hören.