Nun ist es offiziell. Das VW-Treffen, das 17 Jahre lang eine feste Größe im Prignitzer Veranstaltungskalender war, verlässt die Region. Matthias Wölk, Geschäftsführer des Veranstalters Wölk Event, bestätigte auf Nachfrage den Umzug auf den Flugplatz Borstel bei Stendal.

Wittenberge l "Wir können das Treffen in Wittenberge in der beabsichtigten Form und Größe nicht mehr durchführen, weil entsprechende Flächen derzeit nicht zur Verfügung stehen", erklärte Wölk, der noch im Januar zu Gesprächen in der Elbestadt war, ohne dass sich dabei eine Lösung ergeben hätte.

Bereits 2013 war das Treffen auf einer Behelfsfläche am alten Delphinbad durchgeführt worden, da der ursprüngliche Veranstaltungsort im Gewerbegebiet an der B189 aufgrund von Flächenverkäufen und Industrieansiedlungen nicht mehr genutzt werden konnte. Der unbefestigte Boden dort und die beengten Platzverhältnisse hatten bei den Besuchern vielfach für Kritik gesorgt. Auch das Fehlen einer Sprintstrecke - auf der gesperrten Breeser Straße konnten die PS-Jünger nur auf knapp 200 Metern die Beschleunigung ihrer Fahrzeuge testen, während am alten Standort noch rund 400 Meter zur Verfügung standen - schloss eine Wiederholung am Delphinbad quasi aus.

Borstel ist hervorragendes Ausweichquartier

Man habe sich den Abschied aus Wittenberge alles andere als leicht gemacht, sagt Matthias Wölk. "Wir haben mehrere Flächenoptionen durchgespielt, darunter auch im Bereich des Hafens, der mit guten Zufahrten und einem schönen Areal optimal gewesen wäre. Hier gab es aber Bedenken vonseiten der ansässigen Unternehmen."

Mit dem Flugplatz Stendal sei indes ein hervorragendes Ausweichquartier gefunden worden. "Das Areal ist groß, und auf der Piste können wir ein richtiges Viertelmeilenrennen veranstalten", zählt Wölk die Vorteile der neuen Örtlichkeit auf, an die er auch die Hoffnung auf Steigerung der seit Jahren stagnierenden Besucherzahlen knüpft. "Wir erwarten, dass es sich wieder positiv entwickelt."

Die Kritik, die nach den vergangenen Veranstaltungen vor allem von langjährigen Besuchern des Treffens laut wurde, sieht Matthias Wölk im Kontext eines Generationenwechsels. "Viele ältere VW-Fans sind da einfach rausgewachsen. Die jungen wollen Party machen, Disco im Zelt und eine Driftshow mit qualmenden Reifen. Denen reicht es nicht mehr, nur eine Reihe auf Hochglanz polierte Autos hinzustellen. Da muss man sich als Veranstalter umstellen und mit der Zeit gehen." Leicht sei die Entscheidung nicht gewesen. "Ich komme aus Perleberg, habe Freunde in der Prignitz. Es tut schon ein bisschen weh, hier wegzugehen."

Bei Reimo Groß vom VW-Club Wittenberge, der das Treffen in der Elbestadt einst initiiert hatte, hält sich die Trauer in Grenzen. "So wie sich die Veranstaltung in den letzten Jahren entwickelt hat, hatte es mit der ursprünglichen Idee nichts mehr zu tun. Leider ist das Interesse am schönen Fahrzeug an sich immer mehr in den Hintergrund getreten, weswegen wir auch in keinster Weise mehr in die Organisation involviert waren."

Gesunkenes Niveau, schwere Unfälle

Zudem stimmt Groß in die Kritik mancher Gäste ein und bemängelt fehlende Ideen und Neuigkeiten, unter denen das Treffen zuletzt gelitten habe. Bereits im vergangenen Jahr hatte Groß geäußert, dass der Club darüber nachdenke, wieder ein eigenes Treffen zu organisieren, bei dem das Auto im Mittelpunkt steht. "Diese Pläne gibt es, aber spruchreif ist noch nichts."

Das VW-Volk sieht den Umzug mit gemischten Gefühlen. Marcus Kopp, der mit seinen Freunden aus dem Kreis Ostholstein seit der Geburtsstunde des Treffens nach Wittenberge gereist ist, ist gespannt, was der neue Veranstaltungsort bringt: "Wir fahren auf jeden Fall nach Stendal, denn wir sehen es als Chance, einer an sich schönen Idee wieder Leben einzuhauchen. Unabhängig davon, dass wir uns immer gut amüsiert haben, ist das Niveau doch kontinuierlich gesunken - wovon auch die schweren Unfälle in den letzten Jahren zeugen."

Schade sei nur, dass man jetzt in Stendal bei Null anfangen müsse. "Hier in Wittenberge haben sich über die Jahre Freundschaften zu den Einheimischen entwickelt. Das kann Stendal bislang freilich nicht bieten."

Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann sieht den Weggang mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Das lachende Auge blickt auf die Industrieansiedlung in Größenordnungen, die dazu geführt haben, dass die Flächen nicht mehr zur Verfügung stehen. Auf der anderen Seite ist es natürlich ein Imageverlust, wenn eine solche Veranstaltung, die hier gewachsen ist, abwandert." Wenngleich die Tage des Treffens punktuell auch dem Einzelhandel genützt hätten, sei die Bedeutung der Industrieansiedlungen nüchtern betrachtet weit höher zu werten, so Hermann. "Wenn der Veranstalter hier allerdings erneut einen Versuch starten will, unterstützen wir ihn nach Kräften. Auch in diesem Jahr haben wir uns um eine Lösung bemüht, aber es war vergebens."

Tatsächlich will Wölk Event die Elbestadt nicht ganz aufgeben. "Stendal ist vorerst für 2014 gesetzt. Deswegen heißt es auf den Flyern auch, VW-Treffen Wittenberge auf dem Flugplatz Stendal`", so Wölk.

VW-Treffen: 25. bis 27. April auf dem Flugplatz Borstel