Stendal l Gibt es am Stadtsee ein Rattenproblem? Eckhard Jahn ist Anwohner und berichtet über auffällig viele Ratten, die auch tagsüber in diesem Gebiet zusehen sind.

"Ratten begegnen einem am hellichten Tage am Stadtsee an der Uchte und am Graben zwischen dem Spielplatz und Lidl, sagt der Stendaler Eckard Jahn. An einem Tag habe er sich die Mühe gemacht und die Ratten gezählt. "Ich habe 14 dieser Plagegeister gezählt, wobei die meisten am Graben vorkamen", berichtet Jahn. Die Dunkelziffer dürfte das Drei- und Mehrfache sein, befürchtet der Anwohner. "Gefüllte Müllkörbe und Dreckecken begünstigen die Vermehrung dieser Tiere ungebremst", ist sich Jahn sicher und hofft, dass die Stadt endlich gegen die Ratten vorgeht.

Probleme am Nordwall und am Schützenplatz

Klaus Ortmann, Pressesprecher der Stadt, ist das Rattenproblem am Stadsee, auf Anfrage der Volksstimme, noch nicht bekannt. "Bekannt ist uns die Problematik im Stadtbereich Nord am Schützenplatz und am Nordwall", sagt Ortmann. Vor zwei bis drei Jahren gab es dort einige Ratten. Am Stadtsee habe es jedoch noch keine Beschwerden gegeben.

Ortmann verspricht der Sache nachzugehen und die Information an das zuständige Fachamt weiterzuleiten. "In solchen Fällen wird ein Kammerjäger bestellt, der regelmäßig Köder auslegt, um das Problem in den Griff zubekommen", sagt der Pressesprecher. Von einem Schädlingsproblem könne man deshalb in Stendal nicht ausgehen. "Wir können das Rattenproblem natürlich nicht zu hundert Prozent aus der Welt schaffen, aber durch den Einsatz von Kammerjägern die Populationen auf ein normales Maß reduzieren", sagt Ortmann.

Nabu-Kreisverbandschef Peter Neuhäuser gibt Entwarnung. Es handle sich am Stadtsee nicht um ein übermäßiges Rattenproblem. "Soweit sich das am Foto einschätzen lässt, handelt es sich um Wanderratten", sagt Neuhäuser. "Sie besiedeln gern auch Gewässer und Uferränder, graben hier ihre tunnelartigen Baue gern in die Böschungen, und sind dabei auch gern tagaktiv. Ratten leben in sehr komplexen sozialen Systemen mit strengen Hierarchien. Störche aber auch Graureiher fressen Ratten", sagt Neuhäuser. Er vermutet, dass die Ratten am Stadtsee von Abfällen und der Entenfütterung profitieren.

SWG rückte 2013 mit dem Kammerjäger an

Auch Daniel Jircik, Gesschäftsführer der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG), weiß von keinem speziellen Problem an der Uchte. Im vergangenen Jahr habe es eine Großaktion der Vermieter im Stadtgebiet Stadtsee gegeben, um durch einen Kammerjäger viele Ratten beseitigen zu lassen. "Von einem Kammerjäger weiß ich, dass es normal ist, dass auf jeden Einwohner etwa zwei Ratten kommen", sagt Jircik. Das bedeute für Stendal 80000 Ratten. Außerdem: "Die Tiere sind intelligent." So habe er es erlebt, dass in Kellern Rattenköder ausgelegt wurden sei und die Tiere dann auf Nachbarkeller ausgewichen seien. Er erlebe es auch immer wieder, dass Mieter aus einer falsch verstandenen Tierliebe Katzen gegenüber Essen vor die Haustür stellen. "Das zieht natürlich auch Ratten an."