Knapp ein Jahr lebte die Salzwedelerin Maria Hoefert zwischen Straßenkindern, Stromausfällen und traumhaften Stränden. Sie verbrachte die Zeit auf den Philippinen als freiwillige Helferin bei Straßenprojekten.

Salzwedel l Für elf Monate zog es die 20-jährige Salzwedelerin Maria Hoefert auf die Philippinen. Von der beschaulichen Altmark ging es für sie Anfang 2013 nach General Santos, einer Großstadt mit mehr als 500 000 Einwohnern ganz im Süden der Inselgruppe. Die Stadt wird auch "City in the dark" genannt. "Teilweise fällt dreimal täglich der Strom aus", berichtet Maria Hoefert.

"Der Kulturschock war am Anfang größer als erwartet."

"Der Kulturschock war am Anfang größer als erwartet", räumt die junge Frau im Gespräch mit der Volksstimme ein. Neben dem Heimweh, dem niedrigen Lebensstandard - auch bei den Wohlhabendenderen - machten der Salzwedelerin auch persönliche Probleme mit der ersten Gastfamilie zu schaffen. Nach einem Wechsel hatte sie ein neues Zuhause und herzliche Eltern sowie Geschwister gefunden. Damit konnte sich Maria Hoefert wieder voll auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren. Sie war nämlich auf den Philippinen, um den Ärmsten der Armen zu helfen.

Die 20-Jährige arbeitete bei mehreren Projekten mit und beschäftigte sich hauptsächlich mit Straßenkindern. "Wir haben den Mädchen und Jungen Englisch und Mathe beigebracht. Aber auch banale Dinge wie Zähne putzen und Wäsche waschen zeigten wir den Kindern", erklärt die Salzwedelerin. Um die Finanzierung der Projekte kümmerten sich die jungen Helfer aus verschiedenen Ländern selbst. "Mithilfe von Sponsoren haben wir beispielsweise Bücher und Stühle für den Unterricht beschafft", erzählt die junge Frau.

Während der Arbeit mit den Straßenkindern hatte die Salzwedelerin auch ihr schlimmstes Erlebnis auf den Philippinen. "Als wir die Kinder abholen wollten, fehlte ein kleiner Junge. Plötzlich haben ein weiterer Freiwilliger und ich ihn wie am Spieß schreien hören", erinnert sie sich. "Zunächst wussten wir nicht, was wir tun sollten. Dann sind wir beiden aber zu der Mutter gegangen, die sofort aufhörte das Kind zu verprügeln", erzählt Maria Hoefert und fügt hinzu: "Das Traurige ist, dass die Frau wahrscheinlich nur von dem Jungen abgelassen hat, weil wir dort waren. Ich denke, dass sie ihn aber weiter geschlagen hat, als wir außer Sichtweite waren."

Im Kontrast dazu stehen die Erfahrungen, die Maria Hoefert bei ihrer zweiten Gastfamilie gemacht hat. "Ich wurde dort mit großer Herzlichkeit aufgenommen und füllte mich sofort wie ein richtiges Familienmitglied", erinnert sie sich gerne an die Zeit dort zurück. "Ein Erlebnis trieb mir beinahe Freudentränen in die Augen", spielt die Salzwedelerin auf einen Besuch in einem großen Einkaufscenter an. Dort wollten ihre Gastgeschwister einen Action-Film sehen. "Das ist nicht so mein Fall und ich sagte deshalb, dass ich weiter shoppen würde, während sie den Film gucken", berichtet die junge Frau und erzählt weiter: "Meine Gastschwester sagte daraufhin, dass sie dann alle auf den Film verzichten."

Neben diesen menschlichen Höhepunkten, gab es für die Salzwedelerin ein weiteres Highlight, das sie in Deutschland wahrscheinlich so nicht erlebt hätte. Sie schaffte es nämlich auf das Cover des größten Lifestyle-Magazin der Region. Und das kam so: "Ich war mit zwei Freundinnen am Strand. Ein Fotograf fragte eine von meinen Bekannten über mich aus, ob ich Modelerfahrung habe, was aber nicht der Fall ist", erklärt Hoefert. "Er hat mir dann ein paar coole Bilder gezeigt und wir haben uns zu einem Fotoshoot verabredet." Die Aufnahmen, die bei diesem Treffen entstanden sind, entdeckte der Herausgeber des Magazins. "Er hat dann noch ein Por- trät über mich und meine Arbeit geschrieben und plötzlich war ich dann auf Seite 1", berichtet die 21-Jährige.

Die Zeitschrift gibt es in General Santos und Umgebung überall zu kaufen. "In Malls, Cafés - es ist dort eine sehr populäres Magazin, das über Reisen, Festivals in der Region und Lifestyle berichtet", beschreibt Maria Hoefert das Blatt.

Sowohl die positiven, als auch die negativen Erlebnisse machten für die Salzwedelerin die elf Monate zu einer unvergesslichen Erfahrung. "Ich sehe manche Dinge anders. Zum Beispiel ist mir aufgrund des negativen Starts bewusst geworden, dass Familie über allem steht."