Im Herbst 2009 hatte die Afrikanische Messe für die ertrunkenen Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen aus der Feder von Assion Lawson Premiere. Am Sonntag kehrt das Stück nach Stendal zurück. Die Situation in Afri- ka hat sich in den fünf Jahren nicht verbessert.

Stendal l Vor zehn Jahren kam Assion Lawson nach Deutschland. Zuvor hatte der gebürtige Togoer in Paris und Montreal studiert, war als Französischlehrer in Nigeria tätig gewesen. Sein Weg nach Europa lässt sich so gar nicht mit dem Schicksal vieler tausender Afrikaner vergleichen, die sich jährlich auf den Weg machen, um mit einem Boot die rettende Küste Europas zu erreichen, oder eben den unzähligen, deren Flucht aus der Hoffnungslosigkeit mit dem Tod endet.

Zwei Ziele: Ehren und erinnern

Die Idee zu dem Requiem kam Lawson, nachdem er das Buch von Elias Bierdel, "Ende einer Rettungsfahrt - Das Flüchtlingsdrama der Cap Anamur", gelesen hatte. Darin schildert der Journalist die unmenschlichen Vorgänge rund um die Cap Anamur, die 2004 37 afrikanische Flüchtlinge aus dem Mittelmeer vor Sizilien aufgenommern hatte. Die wurden festgesetzt, Bierdel, der Kapitän und der Erste Offizier des Schiffes, verhaftet. Wenige Tage später kamen sie frei, freigesprochen wurden sie erst 2009. "Ich habe mich entschieden, ein Requiem für meine Schwestern und Brüder zu schreiben, die im Mittelmeer ertrunken sind", sagt Lawson. Mit seinem Requiem verfolgt der 48-Jährige zwei Ziele: Zum einen sollen die toten Afrikaner geehrt werden, zum anderen will er auf die Problematik und die Tragödien aufmerksam machen. "Die Kultur des Mitgefühls ist an vielen Stellen verlorengegangen, dann schauen die Menschen nur noch weg", bedauert er.

Das Requiem ist eine Mischung von afrikanischen und europäischen Musikstilrichtungen und ist wie ein liturgisches Werk aufgebaut (Gloria/Kyrie/Hallelujah/Credo/Sanctus /Agnus Dei). Es enthält darüber hinaus weitere, ergänzende Elemente und beschreibt die Hoffnung und Verzweiflung, Angst und Freude, Bitten und Empfangen, die Suche nach Frieden in Gott. "Diese Messe soll Nord und Süd zusammenbringen, Grenzen überwinden und das Verbindende offenlegen", erklärt Lawson.

25 Mitwirkende nicht nur aus der Altmark

Das Werk wird von einem Chor mit Instrumentalbegleitung aufgeführt. Solisten übernehmen einzelne Teile der Gestaltung. 25 Mitwirkende sind daran beteiligt, etwa 20 stehen gleichzeitig auf der Bühne. "Ein Viertel von uns ist aus Stendal, Salzwedel und Magdeburg, der Rest kommt aus Halle", erzählt Lawson. Neben ihm sind auch nur zwei weitere Musiker aus Afrika, der Rest sind Deutsche. Mit den Jahren hat es einige Veränderungen in der Besetzung gegeben, aber seit einiger Zeit hat Lawson seinen Stamm gefunden. "Das sind alles sehr gute und engagierte Musiker", freut er sich.

Seit der Premiere vor fast fünf Jahren war das Requiem an vielen Orten in Deutschland zu Gast. So wurde es beispielsweise in Ruhla, Würzburg, Halle, Hannover und Jena aufgeführt. Nun kehrt es wieder in die Stadt seines Entstehens zurück. Am kommenden Sonntag ist es ab 15 Uhr im Cordatussaal des Domes zu hören. Beim Willkommenscafé ab 14.30 Uhr werden auch Auszüge aus der Predigt zu hören sein, die der Papst im Juli vergangenen Jahres auf Lampedusa hielt. Worte und Gedanken, die auch Assion Lawson aus dem Herzen sprechen.