Menschenskind
Der Liederabend mit Dagmar Menzel beginnt am Sonnabend um 19.30 Uhr im TdA.

Doch ihr liebstes Lieblingsstück: "Wenn ick mal tot bin, ist mein schönster Tach". Genau diese lachende Melancholie ist es, die Dagmar Manzel auf die Theater-Bühne bringt. Und weil sie die kleine genauso wie die große Bühne liebt, ist sie heute vor allem neugierig aufs Publikum.

Volksstimme: Was ist das Schöne an einer kleineren Bühne wie Stendal?

Dagmar Manzel: Das Publikum wird für mich spannend werden. Am Freitag habe ich noch in der Komischen Oper in Berlin gesungen. 1200 Plätze waren ausverkauft. Und heute fahre ich nach Stendal. Ich weiß nicht, wie viel verkauft ist, vielleicht nur 100 oder 200 Karten. Keine Ahnung.

Es wird eine totale Umstellung. Es gibt heute kein Orchester. Zum ersten Mal gebe ich das Konzert nur mit dem Pianisten. Das finde ich spannend. Und ich bin neugierig aufs Publikum.

Volksstimme: Kriegen Sie auf einer kleineren Bühne eher den Draht zum Publikum?

Dagmar Manzel: Ja. Das merkste schon, mit welchem Lied ich die Leute kriege oder auch nicht, das ist wichtig.

Außerdem spreche ich, konferiere und erzähle ein bisschen dazu. Ich hoffe, dass ich die Herzen öffnen kann, dass ich den Menschen Freude bringe. Das ist es ja, warum ich das Konzert mache, dass ich den Leuten was Gutes tun kann und mir letztendlich auch.

Volksstimme: Ihren Hol- laenderabend haben Sie "Menschenskind" genannt...

Manzel: Ich habe einen Titel gesucht, der von Friedrich Hollaender ist und der so beides ausdrückt. Auf der einen Seite den lachenden Melancholiker, wie er sich immer selbst bezeichnet hat. Auf der anderen Seite diesen großen Menschenkenner, der der normalen Berliner Hinterhofsgöre genauso aufs Maul geschaut hat wie dem Filmstar. Das erste Lied auf der CD heißt "Wenn ich mir was wünschen dürfte" und das beginnt mit "Menschenskind", diesem Berliner Ausdruck, "Menschenskind, sei doch nicht so blöd, stell dich nicht so an...". In Menschenskind steckt auch Menschenkind drin, was Hollaender war. Er hat nicht auf seine Träume verzichtet. Trotz seiner Biografie - Emigration, Rückkehr, Wieder-Anschluss-Finden - hat er die Lust auf Kabarett und komödiantische Musik nicht verloren. Das fand ich so schön.

Volksstimme: Ist "Wenn ich mir was wünschen dürfte" ihr Lieblingsstück?

Dagmar Manzel: Das ist mein Problem, alle meine Lieder, die ich singe, sind Lieblingslieder. Ja, das ist mein Lieblingsstück, aber mein liebstes Lieblingslied ist `Wenn ick mal tot bin, ist mein schönster Tach`...

Volksstimme: Das klingt ja so traurig...

Dagmar Manzel: Ja. Aber es ist sehr schön. Hollaender ist eben ein lachender Melancholiker und das Lied ist genauso. Wenn Lieschen Puderbach davon träumt, wie schön das Leben ist, wenn sie erstmal tot ist. Und du denkst so: `Das zerreisst mir jetzt das Herz.` Aber es ist so komisch und so anrührend, wie sie es beschreibt. `Nee, wenn ick erstmal tot bin, kommen sie alle und dann liege ich da, links und rechts Kerzen, das ist wunderbar.´ Das berührt mich.

Volksstimme: Wie lange werden Sie mit ihren Lieblingsliedern unterwegs sein?

Dagmar Manzel: Die nächsten Jahre. Im nächsten halben Jahr werde ich viele Theater, Opernhäuser und Konzert-räume aufsuchen, Große und Kleine, das finde ich spannend!

Volksstimme: Im Sommer drehen Sie Tatort - was reizt Sie mehr, die Tatortkommissarin oder ein Hollaenderliederabend?

Dagmar Manzel: Da sage ich sofort: Mich reizt beides.

Volksstimme: Warum?

Dagmar Manzel: Dass ich beides machen darf, ist ja dieses Geschenk. Dass ich auf der einen Seite Konzerte, Musiktheater oder Theater spielen kann, dann auch wieder drehen oder Lesungen mache, im kleinen und im großen Rahmen. Diese verschiedenen Möglichkeiten, die ich als singende Schauspielerin habe, sind einfach fantastisch. Ich möchte das eine und das andere nicht missen.

Volksstimme: Wovon hängt es ab, dass sie der Altmark wieder einen Besuch abstatten?

Dagmar Manzel: Wenn Sie mich wieder einladen und es Stendal gefällt, komme ich gerne wieder. Ich habe auch andere gute Programme.

Das Interview führte Sibylle Sperling.