Stendal l Einem Zufallsfund der Polizei hat ein vielfach vorbestrafter 31-jähriger Stendaler es zu verdanken, dass er seit dem vergangenen Donnerstag wegen Drogenbesitzes und -handels vor dem Landgericht steht.

Die Polizei suchte am 17. Oktober vorigen Jahres eigentlich "nur" Diebesgut aus Einbrüchen in Arztpraxen und Ämtern. Sie wurde dabei auch fündig und entdeckte diverse Formulare, teils blanko, teils auf den Angeklagten ausgefüllt: Rezepte, Führungszeugnisse, Approbationsurkunden, (amtliche Bestätigungen der Zulassung als Arzt), einen Laptop, Ausweiskopien sowie 13 Kopien eines 500-Euro-Scheines mit derselben Nummer.

Quasi nebenher fanden die Beamten im Kühlschrank versteckt fast ein Kilogramm Amphetamine (Kunstdroge). Die hätten ihm "Wassili" und "Viktor" - die Nachnamen kenne er nicht - aus Magdeburg zum kurzfristigen Aufbewahren gegeben, gab er zum Prozessauftakt an. Alternativ hätte er die Drogen aber auch strecken und verkaufen sollen. Im Gegenzug sollte er etliche Portionen von Polamidon (Ersatzdroge) von den ihm unbekannten "russischen Freunden" eines Freundes bekommen. Er selbst sei "sehr süchtig nach opiat- und morphinhaltigen Substanzen" und nehme seit 2011 an einem Drogenersatzprogramm teil. Die Erklärungen des in Anzug, weißem Hemd und Krawatte auf der Anklagebank sitzenden 31-Jährigen klangen reichlich verwirrend. Darum fragten Gericht und Staatsanwaltschaft eindringlich nach. Doch mit den Antworten wurde die Sache nicht verständlicher.

In einem Schreiben aus der U-Haft hatte sich der am 17. Oktober festgenommene Angeklagte der Staatsanwaltschaft als "Lockvogel für einen fruchtbaren Schlag gegen den Drogenhandel" angeboten, um der unbekannten "Russen" habhaft zu werden. Dafür wollte er eine geringere Strafe. Doch die Staatsanwaltschaft hatte abgewinkt.

Ebenfalls aus der U-Haft heraus hatte er einen Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin Simone Henze-von Staden gestellt. Gegen die Ablehnung seines Antrages hatte er Beschwerde eingelegt, zog diese aber zum Prozessauftakt zurück. Am 4. März soll der Prozess mit Zeugenaussagen fortgesetzt werden.