Nachdem der Prozessauftakt am Donnerstag ins Wasser gefallen war - ein Angeklagter fehlte - holte diesen die Polizei am Freitagmorgen für die Verhandlung aus dem Bett. Drei bewaffnete Raubüberfälle stehen nun im Mittelpunkt der Anklage.

Stendal l Im Prozess um drei bewaffnete Raubüberfälle, zwei auf die selbe Tankstelle am 3. Januar und am 2. September 2013 sowie einer auf drei Bewohner des Jugendförderzentrums (JFZ) in Gardelegen am 11. April, wurde von einem der drei großteils geständigen Angeklagten gestern ein mögliche neue Mittäterin ins Spiel gebracht: Die Freundin eines Mitangeklagten.

Sie soll beim Raub im JFZ, den zwei der Angeklagten lediglich als Racheaktion gegen zwei angebliche Drogendealer darstellten, als Fahrerin fungiert haben. Und dann ist da noch der "große Unbekannte" vom ersten Tankstellenüberfall. Er ist wohl von der Überwachungskamera gefilmt worden, war aber maskiert. Angeklagt sind drei Gardelegener, 25, 29 und 30 Jahre alt.

Wobei der 29-Jährige als Haupttäter an allen drei Überfällen beteiligt gewesen sein soll. Bei allen Raubzügen waren die Täter laut Anklage maskiert.

Der Prozessauftakt am Donnerstag war wie berichtet geplatzt, weil einer der Anklagten nicht gekommen war. Während der vermeintliche Haupttäter seit September in U-Haft ist, war der zweite, in Freiheit befindliche Angeklagte erschienen. Die Polizei holte nun den dritten Angeklagten auf richterliche Weisung gestern früh aus dem Bett und brachte ihn nach Stendal ins Landgericht. Der 30-Jährige entschuldigte sich damit, dass er den Gerichtstermin vergessen hätte.

Zu den ihm vorgeworfenen beiden Raubtaten auf die Tankstelle wurde zunächst der vermeintliche Haupttäter befragt: "Es ist so zutreffend, wie es in der Anklage steht." Weil er kein Geld gehabt hätte, habe er mit dem "unbekannten Mittäter" etwa eine Woche vor dem 3. Januar den Plan ausgeheckt, die Tankstelle zu überfallen. "Den Mittäter möchte ich nicht nennen", antwortete er auf Frage des Gerichts. Beide hätten sich maskiert und mit echt aussehenden Spielzeug- oder Schreckschusswaffen versehen. Kurz vor Geschäftsschluss seien sie gegen 22 Uhr in die Tankstelle gegangen. "Geld her, sonst passiert was", habe er die Kassiererin mit der Waffe bedroht, so der Haupttäter. Die habe gefleht: "Nehmen Sie das Geld und lassen mich in Ruhe." 7400 Euro war die Beute. Die habe er sich mit dem Mittäter geteilt. Er hätte damit Urlaubsreisen nach Ägypten und nach England finanziert. Der zweite Überfall auf die Tankstelle ging nicht so glatt. Der Kassierer zeigte sich unwillig. Während der diesmal allein agierende Haupttäter angibt, dass er den Mann mit dem Griff seiner Luftdruckpistole auf den Hinterkopf gehauen habe, geht die Anklage von einem Schuss mit der Waffe aus. Der Kassierer soll dadurch zu Boden gegangen sein und die Beute herausgegeben haben: magere 200 Euro. Montag wird der Prozess fortgesetzt. Das Urteil wird am 11. März erwartet.