So etwas erleben Feuerwehrleute wohl eher selten: Dass ihnen dort, wo es brennt, erst einmal Bratwurst und Soljanka angeboten werden. Am Freitagabend passierte aber genau das. Denn das Feuer, zu dem die Kameraden ausgerückt waren, hatte seinen Grund.

Stendal (rab/nk) l Nein, dieses Feuer sollte auf keinen Fall vorzeitig gelöscht werden. Aber das war den Einsatzkräften der Feuerwehr, die am Freitagabend zur Wahrburger Straße ausrückten, auch erst klar, als sie am Ort des Geschehens eintrafen.

Ein aufmerksamer und besorgter Bürger hatte gegen 18 Uhr einen Feuerschein wahrgenommen, der seiner Einschätzung nach aus der Nähe der Werner-Seelenbinder-Straße herrührte - dort, wo das Berufsbildungswerk ist -, und wählte die 112. Als die Feuerwehr am vermeintlichen Brandort eintraf, war von Feuer keine Spur.

Zweimal im Jahr feiern die Anwohner gemeinsam

Aber gar nicht weit entfernt, in der Wahrburger Straße nahe des Arbeitsamtes, loderte es dann doch. Doch alles ganz harmlos: ein angemeldetes und genehmigtes Lagerfeuer. Seit acht Jahren nämlich gibt es an jener Stelle zweimal im Jahr ein Traditionsfeuer, zu dem die Anwohner der Sackgasse zusammenkommen. "Wir sind wie eine große Familie, einer hilft dem anderen. Und mit diesem Feuer verbrennen wir Weihnachtsbäume und Baumverschnitt", erzählte Regine Hahndorf, die seit 70 Jahren in diesem Teil Stendals wohnt. "Früher war Wahrburg ein Ganzes, aber seit es die Erich-Weinert-Straße gibt, sind wir sozusagen zweigeteilt: in Oberdorf und Unterdorf."

Der für die Feiernden überraschende Besuch wurde kurzerhand in eine Einladung zu Bratwurst und Soljanka für die Feuerwehrleute umgewandelt. "Sowas hatten wir auch noch nicht", zeigte sich der Kamerad Enrico Stolper erstaunt über den Auslöser, aber sehr erfreut über diese spontane Einladung.