Wie sieht das Leben nach der Schulzeit aus? Lehre oder weiter Schule? Wenn Lehre, welche ist die richtige? Wenn Schule, welche und wie heißt das Ziel? Jede Menge Fragen kann so ein junger Mensch haben – Fragen, die am Mittwochabend in der Sekundarschule Hinrich Brunsberg zumindest teilweise beantwortet wurden. Für Schüler und Eltern gab es hier eine Berufsinformationsveranstaltung.

Tangermünde. Jessica Jazbinsek ist Schülerin der 9. Klasse. Mit ihren 15 Jahren weiß sie im Gegensatz zu vielen anderen ihrer Altersgenossen bereits genau, wohin ihr Weg nach Klasse zehn führen soll. "Ich möchte Kinderkrankenschwester werden", verrät sie. Ein zweiwöchiges Praktikum in einer Kindertagesstätte hätte diesen Wunsch noch bestärkt.

Bisher sei das Internet bei allen Informationen zu diesem Berufsbild das einzige Medium gewesen, was sie zu Rate gezogen hätte. Zusammen mit ihrer Mutter Manuela sitzt die Sekundarschülerin am Mittwochabend in der Aula ihrer Schule und hofft auf mehr Informationen zu ihrem Berufswunsch.

Lehrerin Andrea Halke hat die Berufsinformationsveranstaltung für alle Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen organisiert. Günter Giemsch, Berufsberater von der Agentur für Arbeit, Volker König vom Arbeitgeberservice der Agentur, Kathrin Kreibe, stellvertretende Schulleiterin der BBS II in Stendal sowie Alfred Viehmann von der Altmärker Fleisch- und Wurstwaren GmbH und Stefanie Kricheldorf vom Hotel Schloss Tangermünde sorgten für einen informationsreichen Abend.

Aus 20 Jahren Berufsberater-Erfahrung weiß Günter Giemsch, wie wichtig Praktika für die Berufswahl sind. "Nutzt sie intensiv, vertieft eure Interessen auch freiwillig in den Ferien", sagt Giemsch zu den vielen Mädchen und nur wenigen Jungen an diesem Abend. Wer wisse, was ihn im Beruf erwartet, der zähle später höchstwahrscheinlich nicht zu den Abbrechern.

Auch müsse bereits Anfang der neunten Klasse allen bewusst sein, dass die Zeugnisse von Halbjahr und Endjahr die Papiere sein werden, mit denen Bewerbungen auf die Reise gehen.

Für Alfred Viehmann aus dem Stendaler Fleischunternehmen gibt es "keine Einstellung ohne Probearbeit". Mindestens drei Tage, gern auch länger, könnten sich Interessenten mit dem künftigen Aufgabengebiet vertraut machen. "Unsere Mitarbeiter beurteilen am Ende, ob Sie bei uns beginnen werden oder nicht", erklärte Viehmann den Weg zu einer Lehrstelle in seinem Unternehmen. Er machte auch unmissverständlich klar, worauf es ihm bei seinen Lehrlingen ankomme: "Zeigen Sie, dass Sie bereit sind zu lernen. Fragen Sie. Das öffnet viele Türen. Ohne Fragen laufen Sie gegen die Wand. Versuchen Sie, das, was Sie tun, gern zu tun. Die Lehre ist die Grundvoraussetzung für das ganze Leben." Ganz bedenklich findet der Unternehmer die heute vielfach an den Tag gelegten Umgangsformen der jungen Menschen, die nur selten vorhandene Bereitschaft, Disziplin und Leistung zu zeigen. Gern würde das Unternehmen mehr Lehrlinge aufnehmen. "Es gibt mehr Lehrstellen, als junge Menschen zur Verfügung stehen", berichtet er. Doch für ihn steht auch fest: "Wenn wir keine Lehrlinge finden, die Deutsch sprechen, müssen wir uns Lehrlinge suchen, die nicht Deutsch sprechen."

Ganz ähnlich formuliert es auch Stefanie Kricheldorf aus dem Tangermünder Hotel. "Sie müssen vor allem Flexibilität und Leistungsbereitschaft mitbringen, Spaß an der Arbeit haben und den Umgang mit Menschen mögen", schickt sie voraus. Ob Koch, Restaurant- oder Hotelfachmann – wer sich für die Hotellerie entscheide, habe sich für die Arbeit mit dem Gast entschlossen. Dieser stehe im Mittelpunkt und wolle immer so behandelt werden. Deshalb rät auch sie zu Praktika, die im Schloss-Hotel jederzeit angeboten würden, um Interesse zu wecken und das Berufsbild mit all seinen Facetten darzustellen.

Kathrin Kreibe eröffnet den jungen Menschen am Mittwochabend die große Welt der Berufsbildenden Schulen II in Stendal. 1500 Schüler werden hier von 79 Lehrern unterrichtet. Ob in der Berufsfachschule, der Fachoberschule oder dem Fachgymnasium – das Spektrum dieser kostenfreien Bildungseinrichtung ist weit und umfassend. Sie eröffnet Schülern mit verschiedenen Schulabschlüssen den Weg in viele andere Richtungen. Im Prinzip kann jeder, der ein klares Ziel vor Augen hat, nach Abschluss der 10. Klasse hier oder über einen Lehrvertrag mit einem Unternehmen seine Zukunft selbst in die Hand nehmen und gestalten. Allerdings sollte er wissen, wohin die "Reise" gehen soll, welche Türen er sich dafür in welche Richtungen offenhalten muss.

Schulleiterin Gisela Ahrends dankte Alfred Viehmann für dessen "offene Worte an die Jugendlichen".