Die Volksstimme-Aktion "Blumenstrauß des Monats" geht nach der großen Auszeichnungsgala im Februar nun in eine neue Runde. Den Strauß des Monats März bekommt: Bärbel Kohl, Mitbegründerin und Leiterin der Stendaler Tafel.

Stendal l Wenn heute um 12.30 Uhr in der Ladenzeile in Stadtsee wieder die Glastür zur Stendaler Tafel aufgeschlossen wird, dann steht drinnen mitten unter den Helfern an der Ausgabe auch sie wieder bereit: Bärbel Kohl. Als Barbara wurde sie vor bald 71 Jahren geboren, aber alle Welt kennt sie als Bärbel. Und der Name Bärbel Kohl ist untrennbar verbunden mit der Stendaler Tafel.

Sie stand 2005 an der Spitze einer Initiative von Bürgern und sozialen Gruppierungen zur Gründung der Tafel. Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen-Anhalt auf den Weg gebracht, befindet sich die Tafel in Trägerschaft der Gut Priemern gGmbH. Jeden Sonnabend werden in Stendal rund 200 Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt.

30 Ehrenamtliche sorgen unter Kohls Leitung dafür, dass die von Supermärkten abgegebenen Lebensmittel zur rechten Zeit bei den Ausgabestellen in Stendal, Tangermünde, Tangerhütte und Osterburg sind. Sie schleppen Kisten mit Brot, Gemüse, Obst, Wurst, Käse, Milch, sortieren Schlechtes aus, räumen die Ware in Regale und Kühlschränke.

"Natürlich wäre es mir lieber, es müsste die Tafeln nicht geben", sagt Bärbel Kohl, "aber es wäre auch eine Sünde, diese Lebensmittel einfach wegzuwerfen." Und sie sieht, dass

sie und ihre vielen Helfer mit ihrer Arbeit andere Menschen froh machen.

"Ich kenne es nicht anders, ich will es so."

Einer dieser Helfer ist auf keinen Fall wegzudenken: Ihr Mann Joachim. Er sitzt bei der Ausgabe an der Kasse und ist als Fahrer im Einsatz. Und unterstützt seine Frau, diesen Unruhegeist, in ihrem Engagement. Er war es allerdings auch, der vor neun Jahren insgeheim dachte: "Lieber Gott, lass es sie nicht kriegen." Es: das war das Projekt Stendaler

Tafel. Sie: das war seine Frau. Aber - sie hat es bekommen. "Das helfende Etwas in mir hat sicher dazu beigetragen", sagt Bärbel Kohl lachend, "aber mir macht dieses Organisieren eben auch Spaß."

Der stille Wunsch ihres Mannes war wohl aus dem Wissen geboren, dass Bärbel Kohl nicht nein sagen kann, wenn es darum geht, Mitmenschen etwas Gutes zu tun. "Ich bin Christin, auch deshalb möchte ich helfen." Sie lebt diese Einstellung mit ganzem Herzen. "Man reißt sich nicht drum, aber am Ende sind es doch immer die Gleichen, die sich engagieren", sagt sie nachdenklich. Aber sie kennt sich selbst eben auch ganz genau: "Ich bin nicht der Typ, der rumsitzt. Es würde mir etwas fehlen. Von Beruf her kenne ich es auch nicht anders, ich will es so."

Bärbel Kohls Berufsleben als Krankenschwester begann 1961 an der Stendaler Frauenklinik, von der sie bald auf die Wachstation für die Schwerkranken wechselte. Nach der Wende ging sie auf die allgemein-chirurgische Station. "Diese Art der Arbeit war immer meins. Dass man den Menschen helfen konnte, für sie da sein..."

So ist es kein Wunder, dass, als Bärbel Kohl vor neun Jahren ja zur Tafel sagte, das längst nicht ihr erstes Ehrenamt war. Sie kümmerte sich zu der Zeit auch um die Diakonissen in der Wernecke-Straße und war schon Mitglied im Notfallseelsorge-Team. "Ihre" Diakonissen sind mittlerweile verstorben; bei der Notfallseelsorge aber steht ihr Name regelmäßig auf dem Bereitschaftsplan. Beim Hochwasser im Juni vorigen Jahres war sie mit ihren Kollegen in der Notunterkunft im Berufsschulzentrum in Schichten im Einsatz.

In einem Nebensatz erwähnt sie, dass sie ja auch im Gemeindekirchenrat für Sankt Jacobi mitwirkt. "Eigentlich wollte ich da schon aufhören, aber man braucht doch auch Menschen mit Erfahrung."

"Ich weiß, dass ich nicht unersetzbar bin."

Eines von ihren Ehrenämtern sein lassen - das fiele ihr schwer. "Es interessiert mich einfach alles. Außerdem bleibt man auf diese Weise Mitglied der Gesellschaft." Und doch spürt die fast 71-jährige Bärbel Kohl, die immer lebensfroh und vital erscheint, ihre Grenzen. "Ich merke schon manchmal, dass meine Kraft begrenzt ist. Und ich weiß, dass ich nicht unersetzbar bin."

Und ganz ehrlich, möchte sie nicht doch langsam mal mehr Zeit für sich haben? "Hab ich doch. Ich gehe zum Tanzen, zur Wassergymnastik, zum Seniorensport." Und Zeit für ihre fünf Enkelkinder bleibt auch. Die Jüngste ist 18. Mit einem Strahlen in den Augen verrät Bärbel Kohl nur kurz und knapp, aber vielsagend deren Berufspläne: "Sie wird Krankenschwester."