Wie jedes Jahr beobachtet die Stendalerin Gisela Müller die Ankunft der Störche. Aus ihrem Fenster zum Hof hinaus, hat sie einen Blick auf das Storchennest über der Rathenower Straße.

Stendal l "So früh, wie in diesem Jahr waren die Störche noch nie dran", beobachtet Gisela Müller (85). Die Rentnerin muss es wissen, denn wenn sie aus ihrem Küchenfenster schaut, blickt sie genau auf das Storchennest, das auf dem Schornstein der alten Bäckerei in der Rathenower Straße gelegen ist.

Seit 39 Jahren haben die Störche dort ein Nest

Die 85-Jährige hat seit 1950 einen Blick auf den großen Schornstein der Bäckerei, die bis Anfang der 70er Jahre betrieben wurde. "Bis 1972 war dort immer ein Bäcker im Haus, doch dann fand sich irgendwann kein Pächter mehr und die Backstube stand leer", erinnert sie sich. Seit 1975 existiere das Nest auf dem Schornstein. "Ich führe ein Buch, wann die Störche jedes Jahr ankommen", erzählt die Vogelfreundin. Vergangenes Jahr kamen die Störche erst am 6. April in der Rathenower Straße an, liest die 85-Jährige in ihrem Buch nach.

"Meistens treffen die Störche erst ab Ende März bis Anfang April hier ein", erzählt Müller. Die Störche zu beobachten, bereite ihr viel Freude, auch wenn Adebar manchmal die Nachtruhe stört. "Morgens wenn es hell wird, fangen die Störche an zu klappern", erzählt Gisela Müller. Geklappert werde allerdings nur zur Begrüßung der Partnerin oder wenn sie sich lieben, sagt die 85-Jährige. Das Storchenpaar komme allerdings immer getrennt zu seinem Brutplatz zurück.

Adebar wartet noch auf seine Partnerin

Eine Woche liege mindestens zwischen dem Eintreffen von Adebar und seiner Partnerin. Bislang ist die Partnerin noch nicht eingetroffen, nachdem das Männchen schon seit dem 27.Februar wieder zurück in der Stendaler Innenstadt ist.

"Der Vater kümmert sich zunächst um den Nestputz, dann fallen schon mal Stöckchen herunter", hat sie festgestellt. "Im vergangenen Jahr", erinnert sich die Vogelbeobachterin, "kam Mutter Storch sehr viel später nachgereist. Ich dachte schon ihr wäre unterwegs etwas passiert, aber sie kam zum Glück noch nach." Auch in diesem Jahr hofft Gisela Müller, dass Adebars Frau nichts zugestoßen ist und sie ihren Mann und letztlich auch sie selbst nicht mehr so lange warten lässt.

Einmal überlebten die Jungtiere nicht

Die Rentnerin erklärt sich die frühe Ankunft durch das ziemlich zeitige Frühjahr: "Durch die milde Witterung kommen die Vögel eben früher zurück. Wir wollen hoffen, dass zu Ostern kein Schnee mehr fällt." Die Stendalerin fühlt mit den Tieren mit. "Es tut mir auch immer leid, wenn das Storchenpaar im Nest frieren muss", nennt sie ein Beispiel.

Sie blickt zurück: "Einmal kam es vor, dass die Störche ihre Jungen nicht aufgezogen haben, die beiden Jungtiere lagen auf der Straße und im Garten von unseren Nachbarn." Ob es die Storcheneltern selbst waren, weiß Gisela Müller nicht: "Vielleicht waren es auch Fremde oder Feinde." Sie hofft für die Tiere auf ein schönes Frühjahr, das viel Nahrung bietet.

Nicht nur Gisela Müller begeistert sich für die Störche, auch ein ehemaliger Nachbar sei sehr interessiert, wie es dem Pärchen geht. Klaus Arendt (88), klingele öfter einmal, um das rege Treiben auf dem Schornstein vom Innenhof aus zu beobachten. Auch die Enkelkinder freuen sich über das Geklapper auf dem Schornstein. "Für die Kinder ist das etwas Schönes, den Storch aus der Nähe klappern zu hören", weiß die Rentnerin.

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