Buch l Nach dem Ertrinken von 25 Auerochsen und 20 Wildpferden im Bucher Brack während des Juni-Hochwassers zog der Stendaler Nabu-Kreisverband nun Konsequenzen. Es werde im Überflutungsbereich keine Wildtiernachzüchtungen mehr geben, sagte der Kreisvorsitzende des Nabu, Peter Neuhäuser, im Gespräch mit der Volksstimme.

Dass Konsequenzen gezogen werden, war auch eine Forderung einer Bürgerininitiative, die nach Angaben der BI-Sprecherin Anne Grellmann bis gestern 1411 Unterschriften gegen den Nabu-Vorsitzenden gesammelt hat und diese bald beim Bundes-, Landes- und Kreisverband des Nabu abgeben will. Eine weitere Demontration ist darüber hinaus am Sonnabend, 29. März, um 10Uhr auf dem Tangermünder Marktplatz geplant.

"Der Verlust der Rinder und Pferde trifft uns am meisten", sagte Neuhäuser. Die Ereignisse hätten gezeigt, dass diese Wildtiernachzüchtungen schwer zu handhaben seien. "Solche Rassen werden wir nicht mehr im Überflutungsbereich halten", sagte Neuhäuser. Indes laufen bei der Staatsanwaltschaft Stendal weiter Ermittlungen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Es hatte mehrere Anzeigen gegeben. Es wird dem Vorwurf nachgegangen, ob vorsätzliche Tötung oder Quälen von Tieren vorliegt. "Verfahrensbeteiligte geben derzeit Stellungnahmen ab", sagte Thomas Kramer, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Stendal. Der Ausgang des Verfahrens ist noch offen. Nach Volksstimme-Informationen gibt es durchaus Zweifel, ob dieses überhaupt eröffnet wird.

CDU-Abgeordneter Radtke entschuldigt sich bei Neuhäuser

Bereits am 26. November stellte das Verwaltungsgericht Magdeburg fest, dass es unstrittig sei, dass der Nabu vor dem Hochwasser die Tiere aus dem "Bucher Brack" evakuieren wollte. Damit geht aus diesem Urteil hervor, dass die Naturschützer weder vorsätzlich noch grob fahrlässig die Rinder und Pferde ertrinken ließen.

Mit diesem Sachverhalt konfrontiert, revidierte der CDU-Landtagsabgeordnete Detlef Radtke seine Meinung. Im Gespräch mit der Volksstimme äußerte er am 7. März, ihm sei klar, dass Wildtiere besonders schwer zu handhaben seien. Es könne aber nicht sein, dass man sie ertrinken lässt. Diese Aussage, die Vorsatz unterstellt, könne er nun so nicht mehr stehen lassen, entschuldigte sich Radtke bei Nabu-Kreisverbandschef Peter Neuhäuser. Auch sei es nicht richtig, dass es beim Hochwasser 2002 im "Bucher Brack" zu einer ähnlich kritischen Situation gekommen sei. Damals hielt der Nabu in dem Gebiet zwischen Stromelbe und Alter Elbe nach eigenen Angaben nämlich noch gar keine Auerochsen und Wildpferde.

Erst ab 2008 nutzte der Nabu das "Bucher Brack", so Neuhäuser. Es handele sich um 800 Hektar, die bereits seit 300Jahren beweidet werden, sich in dieser Zeit zu einer Hütelandschaft entwickelt hätten. Zu DDR-Zeiten seien dort beispielsweise über 1000 Jungrinder gehalten worden.

Laut Neuhäuser wurde die Beweidung des Gebietes 2005 eingestellt, so dass der Nabu mit dem Weideprojekt die Landschaft erhalten wollte. Dieses Projekt sei durch das Land gefördert worden. Unterstützung habe es auch vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) gegeben. Aus dem Einsatz der Tiere versprach man sich eine Reduzierung des Strauchbestandes und in der Folge bessere Abflussbedingungen im Hochwasserfall.

Beweidung des Bucher Bracks hat 300 Jahre alte Geschichte

Neuhäuser ging im Volksstimme-Gespräch auch noch einmal auf die dramatischen Geschehnisse im Juni des vergangenen Jahres ein. Bereits am 2. Juni, einen Tag vor der offiziellen Hochwasserwarnung der Stadt Jerichow, seien die Nabu-Mitarbeiter im Gebiet gewesen, hätten die Zäune geöffnet und die Tiere höher getrieben.

Am gleichen Tag habe man sich um Ausweichquartiere für die Rinder und Pferde bemüht, für die Unterbringung der Rinder eine große Scheune in Steinitz angepachtet und für die Hengstherde eine zwölf Hektar große Koppel bei Schönwalde. Einen Tag später konnte das "Bucher Brack" noch mit Jeeps, Traktoren und Viehhängern über den Landweg erreicht werden. Bis zum Einbruch der Dunkelheit sei es trotz Technik und erfahrenen Menschen nicht gelungen, die Tiere an Stellen zu treiben, von denen sie abtransportiert werden konnten.

Laut Peter Neuhäuser kam das Wasser extrem schnell. Am 4.Juni sei das Weidegebiet nur noch mit einem Fischerkahn zu erreichen gewesen. Aber auch der Versuch, die Rinder und Pferde durch eine Gasse in das Hinterland zu evakuieren, sei fehlgeschlagen, immer wieder seien Tiere durch die Gasse durchgebrochen.

Von nun an seien die Tiere ihrem Schicksal preisgegeben gewesen. Der Krisenstab des Landkreises Stendal habe das Überqueren der Elbe am 5. Juni untersagt. Noch einen Tag später bat der Nabu den Landkreis Jerichower Land, die Rinder und Pferde mit einer Fähre retten zu können, beziehungsweise sie über den Leitdeich in das Hinterland treiben zu dürfen. Die Bitte sei unbeantwortet geblieben, so Neuhäuser.