Stendal l Schiedsrichter leben gefährlich - auch in unseren Breiten. In der Vorwoche hat das Amtsgericht Stendal einen 34-Jährigen aus dem Tangerland zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen á 20 Euro (1800 Euro) verurteilt, weil er als Zuschauer einen Schiedsrichter und einen Spieler geschlagen hat.

"Fußball weckt das Tier im Manne. Das war unterirdisch und bestätigt alle Vorurteile", begründete Strafrichterin Petra Ludwig die von ihr ausgeurteilte Geldstrafe, mit der sie dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt war.

Handgreiflichkeiten nach Spielabbruch

Was war laut Anklage geschehen? Der Kreisligist SG Freundschaft Schernebeck hatte am 28. April vorigen Jahres die Zweite vom SV Möringen zu Gast. In der 70. Spielminute brach der Unparteiische um 15.25 Uhr das Spiel ab, nachdem er einen Spieler der gastgebenden Mannschaft wegen grober Unsportlichkeit vom Platz gestellt und dieser sich bei ihm mit einem Schlag ins Gesicht "bedankt" hatte. Danach bekam der Schiri noch einen zweiten Faustschlag ab - vom Angeklagten, nach eigenen Angaben einem "treuen Fan" des gastgebenden Vereins. Er schlug desweiteren auch noch einen Spieler des SV Möringen aufs Ohr.

"Ich gebe es zu, es tut mir leid", räumte der schon zweimal mit dem Gesetz in Konflikt gekommene Angeklagte gegenüber Richterin Ludwig seine Schuld ein. Er hätte beim Spiel fünf bis sechs Bier intus gehabt. Die Stimmung hätte sich hochgeputscht.

Später habe er sich beim Schiedsrichter und beim gegnerischen Spieler entschuldigen wollen, beide hätten die Entschuldigung aber nicht angenommen.

Angeklagter engagiert sich nun als Ordner

Seinem Verein habe er zwischenzeitlich 100 Euro als eine Art Wiedergutmachung überwiesen. Wegen der Attacke habe er zeitweise Platzverbot gehabt. Mittlerweile sei er aber selbst als Ordner auf dem Fußballplatz ehrenamtlich im Einsatz. Ein halbes Dutzend Akteure des Spiels im Vorjahr, unter ihnen der Schiedsrichter und der geschlagene Möringer Spieler, konnten unverrichteter Dinge das Amtsgericht verlassen. Weil der Angeklagte die Schläge zugegeben hatte, verzichtete die Richterin auf ihre Zeugenaussagen.

Welche Konsequenzen die Schlag-Attacke des Schernebecker Spielers gegen den Schiedsrichter hatte, blieb bei der Verhandlung offen.