Stendal l Zwei Camper am Rande des Havelberger Pferdemarktes im Jahr 2012 mit Dachlatten angegriffen und einen davon schwer verletzt zu haben, wird neun Angeklagten aus Norddeutschland (Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg) vorgeworfen. Seit gestern sollten sich acht Männer und eine Frau im Alter von 23 bis 43 Jahren dafür vor dem Landgericht in Stendal verantworten.

Fast wäre der Prozess geplatzt, denn einer der Angeklagten erschien ohne Entschuldigung nicht. Daraufhin ordnete die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Simone Henze-von Staden Untersuchungshaft für den unwilligen 26-Jährigen aus Mecklenburg-Vorpommern an. Der hatte verlauten lassen, dass er arbeiten müsse und deshalb nicht in Stendal erscheinen könne. Das Gericht trennte, offenkundig sehr zum Unmut der Mehrzahl der Verteidiger, sein Verfahren von dem der acht Angeklagten ab. Ihm soll nun gesondert der Prozess gemacht werden.

Opfer musste in künstliches Koma versetzt werden

Zu den Tatvorwürfen: Die Angeklagten sollen am 28. August 2012, gemeinschaftlich handelnd und in "lebensgefährdender Behandlung", auf einem Parkplatz an der B107 auf zwei Männer eingeschlagen haben. Während der eine Verletzungen an Armen und Beinen davontrug, ist der zweite auch am Kopf verletzt worden, sodass er zeitweise in künstliches Koma versetzt und beatmet werden musste. Die 26-jährige Angeklagte soll laut Anklage versucht haben, auf eines der am Boden liegenden Opfer einzutreten.

Von den acht Angeklagten sagte lediglich einer gestern aus, die anderen erklärten, sich "vorerst" nicht zu den Tatvorwürfen einlassen zu wollen. Einer der Verteidiger kündigte Bedarf für ein Rechtsgespräch, auch Deal genannt, mit der Staatsanwaltschaft an.

43-Jähriger belastet Mitangeklagte

Der 43-jährige Angeklagte gab an, dass die Schlägerei von "dem Geschädigten" ausgegangen sei. Er sprach von einem Mann, der sich mit einer Eisenstange bewaffnet und damit "herumgefuchtelt" hätte. Er selbst hätte aus Verteidigungsgründen, wie einige der Mitangeklagten auch, zu einer Dachlatte gegriffen. Zugeschlagen hätte er aber nicht. Er belastete aber einige der Mit-angeklagten. Am heutigen Mittwoch soll der Prozess fortgesetzt werden. Das Urteil ist für den 2. April anvisiert.