Stendal. Im August vorigen Jahres war ein heute 50-jähriger Vater von zwei nichtehelichen Kindern aus dem Tangerland wegen Verletzung der Unterhaltspflicht vom Amtsgericht Stendal zu einer Geldstrafe in Höhe von 450 Euro verurteilt worden. Der von der Mutter seiner zehn beziehungsweise zwölf Jahre alten Kinder getrennt lebende Angeklagte war in Berufung gegangen. Zu Recht, wie die Strafkammer 10 am Landgericht Stendal am Montag feststellte.

Sie hob das erstinstanzliche Urteil zwar nicht auf, stellte das Verfahren aber mit Zustimmung von Staatsanwaltschaft und Angeklagtem ein. Offenbar war der Richter am Amtsgericht Stendal von unrichtigen Berechnungen des dem Angeklagten monatlich zur Verfügung stehenden Geldes ausgegangen.

Zum Tatvorwurf: Die Lebensgefährtin hatte sich nach Angaben des Angeklagten von ihm getrennt und war aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Im Mai 2008 war er nach einer Anzeige ihrerseits zur Zahlung von Unterhalt verurteilt worden. Schlichtungsversuche und ein Vergleich seien gescheitert. Er habe gezahlt, blieb aber für etliche Monate im Jahr 2008 den Unterhalt schuldig.

Der Wolfsburger Arbeitgeber bestätigte dem Gericht einen Nettolohn von 1175 Euro. Davon geschützt ist ein gesetzlich vorgeschriebener Selbstbehalt von 900 Euro. Blieben also 275 Euro. Davon bestritt der Angeklagte monatlich 200 Euro Miete für ein Zimmer in Wolfsburg und fuhr noch mindestens viermal pro Monat nach Hause. "Um meine Kinder zu sehen", sagte er am Montag.

Aus dem gemeinsamen Haus war er inzwischen aus- und die Ex-Gefährtin mit den Kindern wieder eingezogen. Sie habe es kategorisch abgelehnt, ihm seinen Eigentumsanteil am Haus auszubezahlen, damit er den Unterhalt zahlen könne, gab er an.

Mit dem Taschenrechner kam die vorsitzende Richterin Dietlinde Storch am Montag darauf, dass der Angeklagte in der Tat wohl kein Geld übrig hatte, um den Unterhalt für seine Kinder zu zahlen. Daraufhin regte sie die Einstellung des Verfahrens an.

"Es ist leider ein oft vorkommender Trugschluss von Müttern, anzunehmen, dass sie nach Erstattung einer Strafanzeige auch umgehend zu dem ihren Kindern zustehenden Geld kommen würden", sagte Oberstaatsanwältin Ramona Schlüter nach der Verhandlung der Volksstimme. Selbst wenn ein Angeklagter zu einer Geld- oder gar einer Freiheitsstrafe verurteilt würde, bekämen die Kinder noch lange kein Geld. "Dafür sind andere Institutionen da." Und deren Möglichkeiten sollten Anspruchsberechtigte erst ausschöpfen, bevor sie auf eine Strafanzeige setzten.