Mit einer Fortbildung soll Pädagogen das Rüstzeug vermittelt werden, wie sie vor allem in Notfällen mit Tod und Trauer in der Schule umgehen können. Das Thema sei lange verdrängt worden, sagt Pfarrer Ulrich Paulsen.

Stendal l Viele Lehrer haben schon die Erfahrung gemacht, dass ein Kollege oder auch ein Schüler stirbt. Doch wie geht man dann mit der Situation in der Schule richtig um? "Bis vor rund 15Jahren war das ein verdrängtes Thema", sagt Ulrich Paulsen, der am Sonnabend einen Workshop für Lehrer mitorganisierte. Paulsen ist Seelsorger am Stendaler Johanniter-Krankenhaus und Geschäftsführer des Hospiz. 30 Lehrer aus dem Landkreis Stendal und einige von auswärts kamen in ihrer Freizeit zur Veranstaltung "Sterben gehört zum Leben - wenn Trauer in der Schule sichtbar wird".

Im Ernstfall nicht gleich Hilfe von außen holen

"In der Schule wird schnell nach der Devise richtig und falsch vorgegangen", sagt Paulsen. Diese beiden Kategorien gebe es beim Umgang mit dem Tod und bei Trauer aber nicht. "Das einzige was falsch ist, ist das Thema zu ignorieren und damit zu verdrängen", sagt der Theologe. Trauer sei darüber hinaus ein höchst individueller Vorgang. Schule müsse die Schüler in ihrer Gefühlslage mitnehmen können. "Wir wollen eine Kultur im Umgang mit Trauer und Tod in den Schulen etablieren", so Paulsen.

"Wenn sich ein Vorfall in der Schule ereignet, dann wird sehr schnell Hilfe von außen herbeigeholt", sagte Andrea Wiedemann, die im Hospizdienst in Braunschweig und Wolfsburg tätig ist und als Dozent bei der Veranstaltung in Stendal mitwirkte. Bei Todesfällen gebe es in den Schulen ein sehr großes Bedürfnis, etwas gestalten zu wollen, dem Unfassbaren ein Rahmen zu geben. "Schüler und Lehrer wollen etwas ausdrücken, damit danach wieder der Alltag geschehen kann", sagte Wiedemann. Es sei ihr wichtig, den Pädagogen gewissermaßen das richtige Handwerkszeug an die Hand zu geben, damit sie in ihren Einrichtungen diese schwierige Situation selbstständig meistern können.

"Die Kollegen bringen ja fast immer genug mit, um damit umzugehen", sagte Wiedemann. Es müsse bei ihnen nur der Mut bestärkt werden, es dann auch zu machen und im Bedarfsfall nicht extra Fachleute herbeizurufen. Es seien ja nicht immer gleich Extreme wie bei einem Amoklauf, obgleich auch dieses Szenario in dem Seminar behandelt wurde. "Man bekommt einen anderen Blickwinkel", sagte Jutta Dombeck, die in Rochau an der Grundschule unter anderem Religion lehrt.

Es erfordere schon ein Höchstmaß an Feinfühligkeit, um das Thema Tod mit den Schülern zu behandeln. Es sei ja nicht so, dass dieses ausschließlich nur bei konkreten Vorfällen mit den Schülern behandelt wird. "Das steht ja auch im Lehrplan", sagte Dombeck. In der Lehrerausbildung nehme es allerdings nur einen geringen Platz ein, sagte Ulrike Richter von der Grundschule Nord in Stendal. Sie nehme als Ethik-Lehrerin eine solche Fortbildung daher gerne mit.

Das Hospiz soll auch ein Lernort für Schüler sein

Schule sei heute nicht nur Lernort, sondern durch die längeren Anwesenheitszeiten der Schüler auch Lebensort, sagte Kathrin Drohberg, die beim Stendaler Hospiz sowie dem Pädagogischen-Theologischen Institut (PTI) Drübeck arbeitet. Um Hemmschwellen zum Hospiz abzubauen, gehörte auch dies zum Seminar. "Hospiz als Lernort soll vorgestellt werden", sagte Drohberg.