Zerbst l Rudi kann seinen Ohren nicht trauen: "Wirklich, das sagen die heute wieder? Na gucke an, das ist doch ein ganz altes Wort, das haben wir zu meiner Jugendzeit doch schon gesagt."

Worüber Rudi sich wundert, ist das Wort "gediegen". Rudi ist Mitte 70. Was man heute und früher gemeint hat, wenn man gediegen gesagt hat, hat sich über die Zeit kaum verändert. Das Wort bedeutet, je nachdem, wie der Zusammenhang ist, toll, lässig oder entspannt. Der "Langenscheidt Jugendsprache 2013" hat es auf Rang drei der beliebtesten Jugendwörter gelistet.

"Babo" führt neue Slang-Hitliste an

Platz eins belegt das Wort "Babo". Damit können weder Rudi, noch die anderen Bewohner und Tagesgäste des AWO-Seniorenheims in Zerbst besonders viel anfangen. Trotzdem löst es beim Kaffeetrinken heiße Diskussionen aus und es wird überlegt, was es denn meinen könnte. Doch eine Idee hat niemand so recht. Ganz anders geht es da Vanessa, Hanna und Vincent von der Ciervisti-Sekundarschule.

"Babo sage ich eigentlich jeden Tag", sagt Hanna nach kurzem Überlegen. "Meistens zu Vanessa, weil sie oft einen auf Babo macht", ergänzt sie und lacht herzlich. Dafür gibt es von Vanessa einen Seitenhieb, der aber nicht böse gemeint ist.

"Babo - wir haben früher \'Blauer\' gesagt", meint Rudi im Seniorenheim. Der "Blaue" war eine Art Hilfspolizist, der im öffentlichen Raum für Ordnung gesorgt hat. In Zerbst musste der "Blaue" oft im Schlossgarten für Ruhe und Ordnung sorgen, wenn abends die Jugendlichen sich dort trafen.

Auch Oma und Opa haben geflirtet

Für Ordnung gesorgt werden musste auch, wenn es zum Tanzen ins Schützenhaus ging: "Für die Eltern gab es eine Empore", erklärt Christa. "Meine Mutter hat dort oft gesessen, das war ganz schön peinlich". Im Schützenhaus wurde nämlich viel geliebäugelt, also geflirtet, wie man heute sagen würde.

"Flirten sagt doch heute keiner mehr. Wir nennen das \'abchecken\'", erklären Vanessa, Hanna und Vincent. Wenn der Flirtversuch ein Versuch bleibt, nennt Vincent das "fail" und gibt ein Beispiel: "Du failst mal wieder voll."

Wenn jemandem etwas misslungen ist, obwohl er zuvor behauptet hat es zu können, haben Rudi, Christa und Hildegard denjenigen einen "Gernegroß", also einen Angeber, genannt. Heute würde man so jemanden wohl einen "Loser" nennen.

Bilder