Stendal l Um den sexuellen Missbrauch eines zur Tatzeit zehnjährigen Jungen in Stendal geht es seit gestern vor der Jugendschutzkammer am Landgericht Stendal.

Der Tat angeklagt ist ein 49 Jahre alter, mehrfach vorbestrafter Mann irakischer Nationalität. Er soll am 16. Mai vorigen Jahres in der Stendaler Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und Spätaussiedler den Jungen mit Schokolade in seine Wohnung gelockt haben. Er forderte das ebenfalls in der Unterkunft lebende Kind laut Anklage auf, sich bis auf den Slip zu entkleiden, um es in "obszöner Stellung mit einer Digitalkamera zu fotografieren". Danach soll er sexuelle Handlungen an dem Jungen vorgenommen haben.

Vorstrafe wegen Kindesmissbrauchs

Die Polizei sicherte die Digitalkamera des Angeklagten und stellte die auf der Speicherkarte gelöschten Bilddateien wieder her. In den polizeilichen Ermittlungen hatte der am 11. Oktober festgenommene und seitdem in Berlin-Moabit in U-Haft befindliche Angeklagte geschwiegen.

Gestern legte er ein Geständnis ab und ersparte damit dem heute elfjährigen Jungen die Aussage, was sich letztlich als strafmildernd auswirken könnte. Im Jahr 2002 war der Angeklagte, der in Deutschland im Status der Duldung lebt, wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in mehreren Fällen vom Landgericht Stendal zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht Dessau verurteilte ihn 2005 wegen gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren Haft. Zur Tatzeit im Mai vorigen Jahres stand er unter Führungsaufsicht eines Bewährungshelfers. Für Montag, 31. März, hat die Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Ulrich Galler die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung und auch das Urteil angekündigt.