Stendal l In der Diskussion um die Kündigung von Sparkassen-Chefin Kerstin Jöntgen und die Aufarbeitung der Verfehlungen unter der Verantwortung des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Dieter Burmeister gerät jetzt auch die Rolle des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) ins Blickfeld. "Wer überprüft den OSV, was der für einen Mist gemacht hat?", entfuhr es dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Ralf Berlin am Donnerstagabend im Kreistag.

Der Freidemokrat sitzt selbst im Verwaltungsrat des Kreditinstituts. Er hätte sich von den jährlichen Prüfungen des Verbandes hier Ergebnisse versprochen, sagte er. Volkmar Lischka sieht den Sparkassenverband auch in einem anderen Fall im Zwielicht. Der Sozialdemokrat spielte auf Volksstimme-Recherchen an, als er wissen wollte, "wieso und von wem" die Initiative ausgegangen sei, dass Burmeister den Prüfbericht der Verfehlungen in den Jahren 2007 bis 2009 vor dessen Fertigstellung zur Stellungnahme erhalten sollte. Landrat Carsten Wulfänger (CDU) wies daraufhin hin, dass der Verwaltungsrat dies einstimmig abgelehnt habe. Von wem die Initiative ausging, wollte er öffentlich nicht sagen. "Stand doch in der Zeitung", führten einige Kreistagsmitglieder den OSV an.

Bei einigen Kreispolitikern hat sich nicht nur ein tiefes Misstrauen gegen den OSV entwickelt, sondern auch gegen den Landrat als Verwaltungsratsvorsitzenden und Teile des Gremiums. "Landwirte für die Region"-Fraktionschef Frank Wiese flüchtete gar in Sarkasmus: "Ich wollte einen Blumenstrauß mitbringen - endlich geschafft, die Aufarbeitung wird schwieriger", sagte er an die Adresse des Landrates. "Sie haben der Sparkasse einen gigantischen wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Es wird dauern, einen guten Mann oder eine gute Frau zu finden. Und wie geht dann die Aufklärung weiter?", fragte er in die Runde.

Der Landrat erklärte, dass der Verwaltungsrat in seiner Sitzung am 16. April die Ausschreibung der Stelle vorbereiten werde. Der OSV und auch die Sparkassen-Aufsicht des Finanzministeriums hätten ihre Unterstützung bei der Suche zugesagt. "Man hat mir gesagt, so unattraktiv sind wir auch nicht", fügte Wulfänger hinzu.

Gleichwohl will er den Aufforderungen und Appellen von Mitgliedern des Kreistags nachkommen, doch eine weitere Zusammenarbeit mit Jöntgen auszuloten. Er werde "dafür Sorge tragen", dass sich der Verwaltungsrat "mit dem Ansinnen" am 16. April befassen wird, kündigte der Landrat auf Volksstimme-Nachfrage an.