Stendal l Entgegen erster Meldungen hat der Mega-Blitz vom vergangenen Donnerstag in Stendal doch Schäden angerichtet. "Der Blitz ist bei uns in der Kirche eingeschlagen", sagt Pfarrer Thomas Krüger von der St. Jacobi-Kirchgemeinde. Auch bei Häusern rings um die Kirche gingen Fernseher und Telefonleitungen zu Bruch.

Alle Sicherungen in der Kirche sind rausgeflogen und konnten auch am Sonnabend durch einen Fachmann nicht wieder aktiviert werden, wie Krüger berichtet. Die Turmuhr, die funkgesteuert ist, blieb um kurz nach halb elf stehen. Ein guter Beweis, dass es sich bei dem Defekt um den Blitz vom Donnerstag gehandelt hat.

Wie die Volksstimme berichtete, war ein Riesen-Donner mit einem ungewöhnlich intensiven Blitz über Stendal niedergegangen. Der Deutsche Wetterdienst in Leipzig hatte eine elektrostatische Entladung mit einer Intensität von 186,5 Kiloampere gemessen - zehnmal mehr als bei einem gewöhnlichen Blitz.

Turmuhr und Teile des Läutewerks sind kaputt


Im Übrigen hatte der Deutsche Wetterdienst das Zentrum des Blitzes "im Bereich der Poststraße" wahrgenommen. Diplom-Meteorloge Gerold Weber aus Leipzig hatte seine Zahlen allerdings nur mit Google-Maps abgeglichen und war dabei wohl um rund 600 Meter verrutscht.

Pfarrer Thomas Krüger, der in unmittelbarer Nähe zur Kirche im Jakobikirchhof wohnt, lag auf dem Sofa, als der Mega-Blitz und der Donner niedergingen. "Es kamen Funken aus der Steckdose", berichtet Krüger. Diese seien rund 30Zentimeter lang gewesen. Dann war alles dunkel. Er sei kurz vor die Tür gegangenen, habe allerdings nichts Ungewöhnliches sehen können. "Es hat nur komisch gerochen, wie ein heißer Föhn." Später stellte er fest, dass der Fernseher und die Telefonanlage kaputt sind. "So etwas passiert nicht bei einem Meteoriteneinschlag", sagt Krüger. Er spielt damit auf erste Gerüchte an, die um den Riesen-Donner und den Mega-Blitz rankten.

Erst am Freitagmorgen habe er entdeckt, dass die Kirchturmuhr stehen geblieben ist. "Die Hauptsicherung der Kirche mit 100 Ampere ist kaputt", sagt Krüger. Die Turmuhr ist ebenso defekt wie ein Teil des Läutewerks. "Da sind mehrere Tausend Euro Schaden entstanden", sagt der Pfarrer. Er hoffe, dass die Versicherung dafür einspringt.

Nachbar Michael Hentschel aus dem Jakobikirchhof stand in der Küche, als der Donnerschlag niederging. "Plötzlich war es dunkel." Wahrgenommen hatte er den Donner "wie eine Kanone". Es sei kein Nachgrollen zu hören gewesen, wie dies ja sonst bei Gewitterdonner meist der Fall sei.

Auch andere Stendaler rätselten über Ursache


Bei Hentschel gingen zwei Fernseher zu Bruch, die beide zum Zeitpunkt des Blitzes gar nicht angeschaltet waren. "Um den Röhrenfernseher ist es nicht ganz so schlimm", sagt Hentschel. Allerdings habe es auch das Flachbildschirm-Gerät erwischt. Die Sicherungen bei ihm im Haus waren völlig verschmort. Ein Elektrofachmann habe ihm gesagt, dass er so etwas in der Form nach einem Blitz noch nie gesehen habe.

Dass auch andere Stendaler in weiterer Entfernung zum Zentrum des Geschehen das Blitz- und Donnerschauspiel als etwas Besonderes wahrgenommen haben, das berichtet Jens Krähe vom Ostwall. Er habe zufällig am Fenster gestanden, als der Blitz herunterkam. "Der Blitz war bläulich", erzählt Krähe. Dieser sei auch nur knapp oberhalb der Erdoberfläche in geschätzter Höhe von 50 Metern zu sehen gewesen. Er hatte bereits vermutet, dass der Blitz in den Gartenanlagen im Bruchweg niedergegangen sei. Jedenfalls seien Besucher des griechischen Restaurants an der Parkstraße sofort aus dem Haus gerannt und hatten sich draußen nach der Ursache des Knalls umgesehen.

Pfarrer Krüger nahm das Geschehen mit einer Prise Humor. Da er vom Telefon vorerst abgeschnitten ist, könne man ihn lediglich per E-Mail oder im Gottesdienst erreichen. Zumindest funktioniert der Internet-Anschluss wieder.