Die sächsische Kult-Band aus DDR-Zeiten, die seit 50 Jahren besteht, riss in Stendal das Publikum von ihren Plätzen und brachte sie zum Tanzen und zu johlendem Applaus.

Stendal l Sie war auch bekannt als "Pink Floyd des Ostens": die Stern Combo Meißen. 1964 wurde die Band gegründet - vor 50 Jahren also. Sie ist in die Jahre gekommen, wie die meisten ihrer Fans. Trotzdem: Dieses Urgestein der Rockgeschichte schafft es immer noch, das Publikum zu begeistern. So auch am Freitagabend im ausverkauften Musikforum Katharinenkirche.

Von den "Alten" ist nur noch Martin Schreier übrig. Er ist von der ersten Stunde an dabei und erinnert sich noch genau an das erste Konzert der Band in Stendal im April 1969. Damals war die Autofahrt von Meißen nach Stendal "eine Weltreise". Nun, das ist heute sicherlich anders. Zum Glück, denn Stendal ist nur eine Station von vielen auf der Jubiläumstour der Band, die im September in Meißen mit dem eigentlichen Geburtstagskonzert ihren Höhepunkt finden wird.

Auch ein Lied über einen Amokläufer ist dabei

Mittlerweile stehen neben Martin Schreier (Gesang und Percussion) noch Sebastian Düwelt (Keyboard), Axel Schäfer (Bass), Manuel Schmid (Gesang und Keyboard) und Frank Schirmer (Schlagzeug) auf der Bühne. Wobei Schirmer und Schäfer ebenfalls zur älteren Garde zählen, immerhin sind sie mit Unterbrechungen bereits seit den 1980er Jahren dabei.

Die Band ist von jeher für ihre anspruchsvollen, lyrischen Texte bekannt, - das bestätigen alle älteren Lieder, die am Freitag zu hören waren: "Mütter gehen fort ohne Laut", "Licht in das Dunkel" oder "Also was soll aus mir werden". Auch die neuen Titel der aktuellen CD setzen diese Tradition fort. Zum Beispiel "Das kurze Leben des Raimund S.", ein Lied, das sich mit den Amokläufen in Winnenden und Erfurt auseinandersetzt.

"...nie mehr zurück in Kälte und Verlogenheit"

Stern Combo Meißen liefert eine Mischung aus Rock, Funk und Soul. Sie scheut auch die Klassik nicht, so geben sie im Konzert ihre Interpretation von Ravels "Bolero".

Die Zuhörer waren sichtlich von der Musik gefangen: Tanzbereite Füße wippten im Takt, Finger trommelten auf Oberschenkeln und natürlich fehlte auch nicht das rhythmische Kopfnicken. Und doch riss es das Publikum erst bei einer der Zugaben von den Stühlen. Bei "Wir sind die Sonne" gab es kein Halten mehr im Saal. Textsicher erklang aus vielen Kehlen "...nie mehr zurück in Kälte und Verlogenheit". Und endlich konnte sich die Begeisterung in jubelnden Applaus entladen.

Die junggebliebene, alte Band hat sicherlich bei vielen Zuhörern Jugenderinnerungen geweckt. Und bei aller Professionalität, die die vier Musiker an den Tag legen: Sie schaffen es, ihrem Konzert die Atmosphäre einer "Mugge" oder eines "Gigs" für Freunde und Bekannte zu verleihen. Es wird mit dem Publikum geplaudert, manchmal verlässt Schreier die Bühne und setzt sich zwischen die Fans und spontan (so scheint es) wird René Niederwieser, seinerzeit Mitglied der Gruppe Perl, jetzt Tonmeister der Stern Combo Meißen, zum Gitarrespielen auf die Bühne gerufen.

Stern Combo Meißen: Bitte wiederkommen!