Die Tage für das Tangerhütter Kulturhaus in seiner heutigen Form scheinen gezählt. Der Sozialausschuss der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte plädierte am Montag mehrheitlich für den Abriss und das Errichten einer neuen Veranstaltungshalle. Noch ist aber vieles offen.

Tangerhütte l Immer wieder hatten Tangerhütter und auch Vertreter der umliegenden Orte für den Kulturhauserhalt gekämpft. Immer wieder war ein Konzept gefordert und Kostenplanungen für verschiedene Varianten zur Sanierung des 1928 für den Hütten-Schützenverein erbauten Kulturhauses gefordert worden. Mit einem ersten Vorstoß im Ortschaftsrat, über einen Neubau nachzudenken, hatte sich Tangerhüttes Ortsbürgermeister - übrigens lange Zeit selbst energischer Verfechter des Kulturhauserhalts - wenig Freunde gemacht.

Am Montag ging es in der Diskussion um die Zukunft des Hauses noch einmal hoch her. Nach einer Zusammenfassung des aktuellen Standes durch den Beauftragten an Bürgermeisterstelle, Hans-Dieter Sturm, schien die bittere Wahrheit die meisten Ausschussmitglieder überzeugt zu haben: Das Kulturhaus in seiner jetzigen Form hat keine Zukunft, so der Tenor.

Umfangreiche Brandschutz- und Elektro-Auflagen müssten für einen weiteren Betrieb umgesetzt werden, "einzelne Schritte ziehen aber andere nach sich", sagte Sturm, so dass nicht Schritt für Schritt saniert werden könne. Und er sprach auch noch einmal das Thema Sicherheit an.

Veranstaltungen nur noch mit Brandwache

Derzeit werden größere Veranstaltungen im Saal nur noch mit Brandwache durchgeführt, der kleine Saal ist seit Ende 2012 komplett gesperrt. Von einem Gespräch im Bauministerium, bei dem Sturm und auch Stadtplaner Henri Gnauert dabei gewesen waren, berichtete Bauamtsleiter Erich Gruber. Dabei sei unmissverständlich erklärt worden, dass derzeit keine Fördermöglichkeiten für den Erhalt des Hauses vorhanden seien.

Die komplette Sanierung würde fast vier Millionen Euro kosten, eine schmalere Variante mit Teilrückbau und Erneuerung des Saaldaches noch gut eine Million. Geld, das in Tangerhütte nicht vorhanden ist. Borstell bezeichnete den Vorschlag eines Komplettabrisses samt benachbarter Gebäude wie des alten Heizhauses, als "schwierigen, aber vielleicht gangbaren Weg".

Stephan Dreihaupt (WG Pro Region) sprach von "verbranntem Geld", wenn jetzt noch Schritt für Schritt in ein Haus investiert werden würde, das nicht ausgelastet ist. Er schlug einen Zweckbau für Kultur und Sport, der dann auch eine ganz andere Auslastung habe, vor. Edith Braun (WG Lüderitz) bezeichnete das heutige Kulturhaus als "Fass ohne Boden".

Marcus Graubner (CDU) sagte: "Ich bin stolz, in einer Kleinstadt wie Tangerhütte leben zu dürfen - mit all ihren Problemen. Ich war zuerst entsetzt über das Wort Abriss, aber wenn das der Weg ist, können wir so auch das Problem Barrierefreiheit lösen." Wolfgang März (Die Linke) schlug vor, die Schließung des Hauses als Beschluss in den Stadtrat zu bringen und anstehende Veranstaltungen auf die umliegenden Orte zu verteilen.

Eine sofortige Schließung samt Auslagern von Veranstaltungen aber hielt nicht nur Ausschussvorsitzender Daniel Wegener (CDU) für das falsche Signal. "Wir müssen uns erst mal Gedanken machen, ob wir das Geld für einen Neubau zusammenbekommen. Das Kulturhaus selbst sollten wir noch so lange wie möglich nutzen."

Eines der vier von Architekt Joachim Richter vorgelegten Sanierungskonzepte, in dem bereits ein Saalanbau mit Photovoltaikanlage zur Energienutzung im Haus vorgesehen war, soll nun noch einmal überarbeitet und als Projekt aufbereitet werden, um Fördermittel zu akquirieren. "Tangerhütte war mal eine Kreisstadt, ist aber jetzt ein Grundzentrum", machte Hans-Dieter Sturm noch mal deutlich. Er sprach auch davon, dass Förderrichtlinien für künftige Programme noch nicht aufgelegt und damit vieles noch offen sei.

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