Der Kreisverband Östliche Altmark des Deutschen Roten Kreuzes will in Tangermünde ein neues Kinder- und Jugendhaus errichten. Statt der derzeit dezentralen Lösung soll eine zentrale her. Projekt und Standort stellte Heimleiterin Birgit Schleinig am Dienstagabend im Ausschuss vor.

Tangermünde l Sie nennen sich seit vielen Jahren DRK-Kinder- und Jugendhäuser Anne Frank Tangermünde. Der Plural wurde deshalb gewählt, weil es tatsächlich mehrere Standorte sind, an denen in der Kaiser- und Hansestadt Mädchen und Jungen betreut werden.

Es war wenige Jahre nach der Wende, als das Kinderheim aus seinem angestammten Haus in der Arneburger Straße ausziehen musste. Hoch über der Elbe war es 1955 in eine alte Villa eingezogen. Mit der politischen Wende wurden die Eigentumsverhältnisse geklärt, das Haus an Private verkauft.

"Häuser weisen erhebliche Baumängel auf, müssten saniert werden."

Heimleiterin Birgit Schleinig

Für das Deutsche Rote Kreuz, das zu diesem Zeitpunkt die Betreuung der Kinder übernommen hatte, begann die Suche nach einem anderen Haus. Eines in gleicher Größe war nicht zu finden. Deshalb kaufte das DRK in den vergangenen Jahren Häuser in der Friedrich-Ebert- und in der Bahnhofstraße, mietete eines in der Kirchstraße und ein weiteres in der Lüderitzer Straße an. Überall gibt es Wohngruppen verschiedenen Charakters. Überall werden Mädchen und Jungen unterschiedlichen Alters betreut, haben hier ein Zuhause auf Zeit gefunden.

Das soll künftig anders werden. Auf einem Grundstück mit Zufahrt von der Heerener Straße und vor allem in Richtung Konventsteig gelegen, beabsichtigt der Kreisverband einen Neubau zu errichten. Hier sollen alle derzeit bestehenden Wohngruppen in mehreren Häusern, die über zwei Etagen verfügen werden, ihren Platz bekommen.

Die Gründe für diese Pläne und die damit verbundenen Vorteile beschrieb Birgit Schleinig, seit 20 Jahren im Heim tätig und seit drei Jahren Leiterin der Einrichtungen in Tangermünde und Tangerhütte, sehr ausführlich. Die Mitglieder von Bau- und Sozialausschuss verfolgten am Dienstagabend die Präsentation im Sitzungssaal des Stadthauses.

Einerseits seien es die derzeitigen Wohnbedingungen für die Kinder und Jugendlichen sowie die Arbeitsbedingungen für alle Mitarbeiter, die zum Umdenken geführt hätten. Andererseits wäre aber auch die Analyse der Bausubstanz aller Häuser in Tangermünde ein Grund für diese Überlegungen gewesen.

"Alle Häuser weisen erhebliche Baumängel auf, müssten mit hohem Aufwand saniert werden", sagte die Heimleiterin, nannte Mängel, beschrieb die Bedingungen in den Häusern und Wohngruppen. Die Kosten von Sanierung und Mietkosten seien denen eines Neubaus gegenübergestellt worden und damit die Entscheidung für einen Neubau gefallen.

Bis auf das Grundstück und erste Skizzen auf Papier gibt es noch nichts. Deshalb stellte Birgit Schleinig am Dienstagabend in den Ausschüssen das Projekt vor. In der Tangermünder Verwaltung müssen mit Hilfe von Beschlüssen durch den Rat jetzt alle Voraussetzungen geschaffen werden, damit das DRK an dieser Stelle seine Ideen umsetzen kann.

"Wir müssen noch einen Fördermittelgeber finden."

Thomas Legde, kaufmännischer Leiter

"Wir haben damit heute eine verwaltungsinterne Kette angeschoben", erklärt Thomas Legde, kaufmännischer Leiter des DRK-Kreisverbandes. Laufe in den nächsten Monaten alles problemlos weiter, rechne das DRK zu Beginn das Jahres 2015 mit den Voraussetzungen, um einen Bauantrag stellen zu können. "Es wäre schön, wenn wir 2016 am Ziel sind", nannte er einen Wunschtermin. Doch der ist derzeit noch von vielen anderen Faktoren abhängig. "Wir müssen unter anderem noch einen Fördermittelgeber finden", machte Legde deutlich. Auch die Kosten seien derzeit noch nicht wirklich auf eine Zahl festzulegen. Zu viele unbekannte Größen gebe es noch, die die Investitionssumme beeinflussen können.

Für Birgit Schleinig steht fest: "Mit dem Neubau und der Zentralisierung können wir all unsere Angebote besser umsetzen, sind flexibler, schneller bei den Kindern und Jugendlichen." Weiterhin werde es die Mutter-Kind-Gruppe geben, die Tagesgruppe, die Mädchenwohngruppe, die Gruppe "Tierliebe", die mit kleinen Haustieren im Außenbereich lebt, und die, die derzeit in der Bahnhofstraße ihr Domizil hat. Auch das betreute Wohnen werde weiterhin möglich sein.

Von den Ausschussmitgliedern gab es am Dienstagabend Zustimmung zum Projekt. Am 23. April stimmt der Rat darüber ab.