Stendal l Die Sitzung der Kaufleute im großen Saal des Rathauses war am Dienstagabend schon fast beendet, da löste Tino Elsner vom Drogeriemarkt dm mit einer fast nebenbei gestellten Frage eine Lawine aus. "Haben Sie auch festgestellt, dass es in Stendal Bandenkriminalität gibt", wollte er von seinen Kollegen wissen.

Tina Zacharias von C & A reagierte als Erste. "Der Schaden geht bei uns mittlerweile in die Tausende", sagte sie. Sie spreche nicht von der Schülerin, die mal ein T-Shirt für sieben Euro stiehlt. Dieses Risiko müsse man überall einkalkulieren. "Es ist eine fünfköpfige Bande, vier Mitglieder sind etwa 25 bis 40 Jahre alt, das fünfte ungefähr 60", gab sie eine ziemlich detaillierte Beschreibung. Und die treibe bereits seit Oktober vergangenen Jahres ihr Unwesen, würde regelmäßig in der Filiale auftauchen und schnell aggressiv werden. "Meine Verkäuferinnen haben Angst, die stellen sich da keinem in den Weg, man weiß doch auch nicht, was der in der Hosentasche hat", sagte sie.

Diebstahl kompletter Ständer

In den Weg stellt sich ihrer Beschreibung nach auch niemand anderes. Auch nicht, wenn die Diebe mit einem kompletten Kleidungsständer in der Breiten Straße verschwinden. "Da muss doch auch die Stadt etwas tun", meinte sie. In der Verlustbilanz habe die Stendaler Filiale schon an der Spitze der kleineren C A-Geschäfte gestanden.

Auch Ramelow-Storemanager Tilo Heinemann hat seine Erfahrungen mit Kriminellen gemacht. Es soll auch eine Mädchenbande und andere Täter geben. Detaillierte Beschreibungen wie von C A kann er nicht abgeben. Teilweise seien Angestellte aber so verängstigt gewesen, dass sie abends mit einem unguten Gefühl aus dem Geschäft gingen.

Direkte Bedrohung hat auch Parfümerie-Chefin Ines Woidtke erlebt. Sie wurde in ihrem Geschäft beklaut, folgte den Tätern und machte ein Foto von ihnen. "Ich habe dann die Polizei gerufen, bekam aber den Rat, nach Geschäftsschluss auf dem Revier Anzeige zu erstatten", erzählte sie. Die Täter kehrten zur Parfümerie zurück, hämmerten gegen die verschlossene Tür und drohten sie einzutreten. Dann rief Woidtke erneut die Polizei an, die ihr zu Hilfe eilte. Die Täter hatten dann aber schon das Weite gesucht. Auch Andrea Schüler vom Juweliergeschäft in der nördlichen Breiten Straße bekannte: Ich habe Angst."

Security als mögliche Lösung

Der Polizei sind diese Dimensionen der Diebstähle in Stendal nicht bekannt. "Bandenkriminalität ist bei uns nicht registriert", sagte Sven Miele, Leiter des Revierkriminaldienstes (RKD). Nur in Einzelfällen sei bekannt, dass jemand von einer anderen Person zu einer Tat genötigt worden sei. Aus Diebstahlanzeigen allein gehe nicht immer hervor, um wie viele Täter es sich handelt. "Ich finde es bedauerlich, dass uns diese detaillierten Informationen nicht mitgeteilt wurden", sagte der RKD-Leiter und versicherte, sich mit den Betroffenen in Verbindung zu setzen.

Mehr Polizeipräsenz, auch das war eine der Forderungen der Händlerversammlung. Die Stadt allerdings sieht keine Möglichkeit, wie sie den Geschäftsleuten aus der Misere helfen kann. "Diebstahl ist eine Straftat und dafür ist die Polizei zuständig", sagte Pressesprecherin Sandra Slusarek auf Anfrage. Sie appelliert an die Händler, auf jeden Fall Anzeige zu erstatten.

Rechtsanwalt Sandro Wulf, designierter Vorsitzender des zu gründenden City-Marketing-Vereins, machte einen Vorschlag zur schnellen Abhilfe: "Man sollte über Security nachdenken."