Mehr als vier Millionen Euro werden in diesem Jahr in den Ausbau und die Sanierung von Kreisstraßen und -brücken fließen. Das ist doppelt so viel Geld wie in den vergangenen Jahren.

Stendal l Knapp zwei Millionen Euro kann der Landkreis im Schnitt pro Jahr in die Hand nehmen, um damit Straßen auszubauen, zu sanieren. Klingt viel, relativiert sich aber schnell, wenn man um die Faustregel weiß, dass ein Kilometer Straßenneubau rund eine Million Euro kostet. Trotzdem ist Thomas Müller, Sachgebietsleiter Straßenbau in der Kreisverwaltung, ein wenig stolz darauf, was der Landkreis mit diesem begrenzten Budget und langem Atem zustande bringt.

Ein Beispiel: Der Bau der Straße nach und durch Buch. Lange mussten die Bucher sich gedulden, bevor sie 2011 Licht beziehungsweise Baumaschinen am Horizont sahen. Der erste Abschnitt der Kreisstraße 1194, der erneuert wurde, war der von der Köckter Kreuzung bis vor das Dorf. In den beiden Jahren darauf folgten die ersten beiden Bauabschnitte der durch Buch führenden Kreisstraße. In diesem Jahr nun wird das letzte, rund 650 Meter lange Teilstück der Straße gebaut. "Dann sind wir in Buch fertig", blickt Müller voraus aufs Jahresende.

Dank Fördermittel werden aus 800 Meter 2,1 Kilometer

Der Startschuss für den vierten und letzten Bauabschnitt der Bucher Ortsdurchfahrt soll am 8. Mai fallen. 855000 Euro sind dafür in den Haushaltsplan des Landkreises eingestellt.

Nicht ganz so viel, nämlich 531700 Euro, waren ursprünglich für die Erneuerung des ersten Teils der Zufahrt zum Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) im Abschnitt zwischen den Abzweigen Groß Ellingen und Klein Ellingen eingeplant. Glücklicher Umstand: Das Land griff für den Landkreis noch einmal etwas tiefer in den Fördermitteltopf - ohne diesen wäre nahezu jeder Gedanke an Straßenbau im Landkreis ein verschwendeter - , sodass jetzt 1,4 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Damit werden aus dem 800 Meter kurzen Stück Straße an dieser Stelle 2,1 Kilometer neue Straße. Gebaut werden sie von Juli bis Oktober dieses Jahres.

Gebaut wird bereits an der Straße zwischen Weißewarte und Demker, genauer gesagt neben der Fahrbahn auf Höhe der Tangerbrücke. Dort laufen die Vorbereitungen für das Errichten einer Behelfsbrücke über die der Verkehr so lange rollen soll, bis die eigentliche Demkeraner Brücke über den Tanger abgerissen und neu gebaut ist. 2015, eventuell auch schon 2014 beginnend, steht das auf der Agenda des Landkreises. Kostenpunkt 1,8 Millionen Euro.

Eine Brücke pro Jahr, mehr kann sich der Landkreis nicht leisten

Ursächlich für die Schäden hier ist nicht der an der Brücke nagende Zahn der Zeit, sondern das Hochwasser 2013. Als es aus der Tangerniederung abgeflossen war, wurden Risse festgestellt - der Tod für eine Spannbetonkonstruktion, wie es diese Brücke ist. Eine erste Maßnahme, um sie dennoch vorerst befahrbar zu halten, war die Begrenzung der Tragfähigkeit der Demkeraner Tangerbrücke auf 16 Tonnen. Das ändert nichts daran, dass die Brücke abgerissen werden muss. Ab Mai soll der Verkehr über die jetzt zu bauende Behelfsbrücke rollen, mindestens für ein Jahr.

Die Demkeraner ist allerdings nur eine von 16 Brücken, für die nach der letzten Brückenhauptprüfung eine Neubauempfehlung auf dem Tisch des Straßenbau-Sachgebietsleiters liegt. Theoretisch heißt das, dieses Thema wird den Landkreis noch mindestens 16 Jahre beschäftigen, denn mehr als eine neue Brücke pro Jahr kann er sich nicht leisten.

Praktisch könnte es doch etwas schneller gehen. 2014 ist es nämlich dank Landesförderung neben der Tangerbrücke bei Demker noch die Brücke über den Tauben Aland bei Falkenberg, die seit Juli 2013 in Bau ist und im Mai dieses Jahres fertig sein wird. 650000 Euro, 50000 davon in diesem Jahr, wurden in ihr verbaut.

In Vorbereitung ist der Bau der Straßenbrücke bei Wendemark, wie die über den Tauben Aland ein Bauwerk aus Kaisers Zeiten, also um die 100 Jahre alt. Nachdem für sie eine Umfahrung hergestellt ist, soll sie noch in diesem Jahr abgerissen und 2015 neugebaut werden. 365000 Euro sind dafür veranschlagt.

Hochwasserschäden noch lange nicht behoben

Wer nachrechnen möchte: Der Landkreis wird in diesem Jahr nicht nur die üblichen knapp zwei Millionen Euro in den Straßen- und Brückenbau stecken, sondern mehr als vier Millionen Euro. Das allerdings auch nur, weil die Demkeraner Tangerbrücke (1,8 Millionen Euro) aus dem Fördertopf bezahlt wird, der für die Beseitigung von Hochwasserschäden aufgemacht wurde. Ob der groß genug ist, um alle derartigen Schäden im Landkreis zu beseitigen, kann derzeit niemand beantworten. 19 aus dem Hochwasser resultierende Straßenbaumaßnahmen hat der Landkreis aufgelistet. Zehn Anträge auf Fördergeld sind gestellt, einer bisher bewilligt.