Stendal l Eichenprozessionsspinner, ein Wort mit Panikpotenzial. Die Haare der Raupen dieses nur drei Zentimeter großen Falters lösen beim Menschen allergische Reaktionen aus. Fast unsichtbar, können die Brennhaare leicht durch Haut und Schleimhaut dringen, wenn sie in die Lunge gelangen, Bronchitis oder Asthma auslösen. Gründe genug, um die Raupen des Eichenprozessionsspinners zu bekämpfen.

Im Landkreis Stendal soll das in der kommenden Woche passieren - einen Monat früher als in den Vorjahren. "Sonst haben wir im Mai gesprüht", sagt Rainer Diebel, Sachgebietsleiter in der Naturschutzbehörde des Landkreises. Der vorgezogene Termin ist dem zeitigen Frühjahr und dem daraus resultierenden Entwicklungsstadium der Eichenprozessionsspinner-Larven, also der Raupen, geschuldet.

Vier Wochen früher als sonst

"Wir haben uns dazu mit der Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen abgestimmt", begründet Diebel die Terminfestsetzung. In Göttingen säßen die Experten für die an Bäumen fressenden Schädlinge, zu denen die Eichenprozessionsspinner-Raupe gehört. Allerdings seien Tag und Stunde der Bekämpfungsmaßnahmen noch nicht genau zu benennen, schränkt Rainer Diebel ein. Das werde maßgeblich von der Witterung abhängen. Regen würde das Pflanzenschutzmittel verdünnen und von den Blättern spülen, starker Wind es verdriften lassen. Dazu kommt, dass die Raupen das Mittel fressen müssen. Bei zu niedrigen Temperaturen tun sie das allerdings nicht oder nur so wenig, dass eine Wirkung des Mittels in Frage steht.

Bekämpft werden die Raupen nur dort, wo sie dem Menschen gefährlich werden können. Im Landkreis Stendal trifft das auf den Norden zu, schwerpunktmäßig im Raum der Verbandsgemeinde Seehausen. Betroffen sind auch die Havelberger Region und in geringerem Maße auch Tangerhütte und Tangermünde. An zwei Tagen wird das Mittel aus einem Hubschrauber versprüht. Die Gebiete, die er überfliegt, werden zu diesem Zeitpunkt gesperrt sein. Zeitgleich wird die Bekämpfung in den Kommunen, an befallenen Geh- und Radwegen sowie Straßenabschnitten durchgeführt.

Zehn Prozent überleben

Der Hoffnung, dass der Eichenprozessionsspinner dadurch von der Bildfläche verschwindet, ist eine trügerische. "Wir können das Problem, dort wo der Mensch Kontakt mit den Eichenprozessionsspinner hat, nur lindern", sagt Sachgebietsleiter Diebel und begründet: "Mit der Sprühaktion erreichen wir 70 bis 90 Prozent der Population der Eichenprozessionsspinner. Zehn Prozent, die mindestens überleben, reichen aus, um im kommenden Jahr eine ähnliche Situation wie in diesem zu haben." Das sei auch eine Erfahrung aus den vergangenen zehn Jahren, in denen die Eichenprozessionsspinner-Raupen im Landkreis bekämpft wurden. Es wurden nicht weniger, sondern ständig mehr Flächen, die vom Eichzenprozessionsspinner besiedelt werden.