Stendal l Die Innenstadthändler wollen sich in einem Verein zusammenschließen. Dies ist eines der Ergebnisse der Händlerversammlung im Rathausfestsaal. Möglicher Name ist "City-Marketing". Kein Händler, sondern der Rechtsanwalt Sandro Wulf stellte sich dabei als möglicher Vorsitzender vor. "Ich wollte mich eigentlich zurückhalten, aber das ist schon durch meinen Beruf nicht möglich", sagte der 44-Jährige.

In Stendal ist er aufgewachsen, hat durch Studium und Beruf auch Potsdam, Berlin und Hamburg kennengelernt. "Ich schiebe diesen Verein gerne an, muss aber nicht unbedingt vorne bleiben", stellte er klar, niemanden verdrängen zu wollen. Wulf stellte sich als modernen Menschen mit traditionellen Werten vor. Er sei vor allem auch ein Optimist, was die Entwicklung Stendals angeht. "Ich habe mit sehr vielen Leuten Kontakt, die aus anderen Gegenden Deutschlands kommen und sehr angetan von Stendal sind", sagte Wulf. Wie Ramelow-Storemanager Tilo Heinemann ankündigte, werde nun die Satzung entworfen und den Händlern vorgelegt. Ein Termin stehe noch nicht fest.

Händler ziehen zumeist negatives Fazit

Mit einem Verein wollen die Händler ihre Aktionen besser koordinieren können. So fiel das Fazit des jüngsten Moonlight-Shoppings für die meisten verheerend aus. Am 28. März hatten zahlreiche Geschäfte in der Altstadt bis um 22 Uhr geöffnet. "Für uns war es ein Reinfall, der ganze Abend war tot, obwohl wir sogar eine Schminkaktion hatten", sagte beispielsweise Tino Elsner vom Drogeriemarkt "dm". Helga Zoske vom Modegeschäft an der nördlichen Breiten Straße pflichtete ihm bei. "Das war das schlechteste Moonlight-Shopping, das wir jemals hatten", meinte sie. Daher würden wohl auch nicht mehr alle Händler aus dem nördlichen Innenstadtbereich beim nächsten langen Einkaufsabend dabeisein.

Es könne doch auch nicht Sinn der Sache sein, dass die Händler ihre Stammkunden anschreiben, um die Stadt vollzubekommen. "Wir wollen doch auch andere, neue Kunden in die Stadt locken", sagte sie. Und da gebe es starke Mitbewerber, etwa das Outlet-Center an der Bundesstraße 5 bei Berlin und das Designer-Outlet in Wolfsburg. "Warum muss eigentlich an unseren Bushaltestellen für das Allee-Center in Magdeburg geworben werden", fragte sie.

Moonlight-Shopping wird wiederholt

Tilo Heinemann hielt den Einwand durchaus für berechtigt, wollte vor allem aber das Moonlight-Shopping nicht verloren geben. "Der Grundtenor kann doch nicht sein, dass wir nach einem Misserfolg nichts mehr machen wollen", appellierte er ans Engagement. Er selbst war ähnlich wie Tina Zacharias von C A recht zufrieden mit der Resonanz auf den langen Shoppingabend. Fest steht, dass die Veranstaltung am Freitag, 30. Mai, eine nächste Chance bekommt.

Auch die Überlegungen der Stadträte zum Beleben der nördlichen Breiten Straße wurden während der Versammlung besprochen. Helga Zoske wehrte sich gegen die Überlegung, die Fußgängerzone zu verlängern. "Fußgängerzonen können auch kaputtgemacht werden, wenn sie zu lang sind", erklärte sie. Auf größere Resonanz stieß hingegen die Möglichkeit einer Einbahnstraße, die zusätzliche Parkflächen und die Plätze für Außengastronomie schaffen soll. Einig waren sich die Händler vor allem darin, dass Baulücken und leerstehende Geschäfte die größte Abschreckung für Kunden sind und daher vorrangig an diesen Mankos gearbeitet werden müsse.