Stendal l "Wussten Sie eigentlich, dass Woody Allen seit seinem sechsten Lebensjahr in psychoanalytischer Behandlung ist", erzählt der Psychoanalytiker Rudolf Jaspers. Der Hamburger ist mit seiner Ehefrau vor einem Jahr nach Stendal gezogen und hat mit ihr eine Gemeinschaftspraxis in der Breiten Straße eröffnet.

Wie man auf die Idee komme, von einer Großstadt wie Hamburg in eine Kleinstadtidylle wie Stendal zu ziehen, frage ihn jeder, sagt Jaspers. "Hamburg wird hier leider immer als Highlight gesehen", bemängelt er. Hamburg sei zwar die attraktivste Großstadt, Stendal dafür die attraktivste Kleinstadt, ist Jaspers überzeugt. "Stendal hat ein Theater, eine Hochschule, einen ICE-Anschluss und zwei neue Psychoanalytiker mehr", scherzt er. Kultur sei ihm und seiner Frau Louise bei der Wahl der neuen Heimat sehr wichtig gewesen.

Haus und Hof verkauft für den Neubeginn

"Wir haben unser Haus in Hamburg verkauft, unsere Praxis aufgelöst und ein Objekt hinter dem Upstall-Kino in Stendal gekauft." Das Ehepaar erfüllt sich seinen Traum vom Loft. "In Hamburg wäre so etwas unerschwinglich gewesen", erzählt Jaspers. Auch die Praxis auf großzügigen 200 Quadratmetern bietet viel Raum für Kunst und Therapiemöglichkeiten.

Rudolf Jaspers hieß eigentlich Rudolf Walter, bevor er 2005 seine Frau Louise Jaspers heiratete, die er am Bodensee kennengelernt hatte.

Nach seinem Abitur verschlug es den gebürtigen Cuxhavener von der Nordsee ins südliche Deutschland zum Studieren. Nach seinem Diplom in Psychologie arbeitete Jaspers in einem psychotherapeutischen Kinderheim, bis er 1983 seine eigene Praxis am Bodensee aufbaute. "1990 bin ich zurück nach Hamburg gegangen und habe dort mehr als 20 Jahre als Psychoanalytiker praktiziert", denkt Jaspers zurück.

"Ich möchte in Stendal etwas bewirken."

Er und seine Frau haben kein Heimweh nach der Großstadt. "Wir sind am Ende ein bisschen großstadtmüde geworden". Der Lebensrhythmus sei dort viel hektischer. "Wir wollten uns auch noch einmal verändern und haben uns deshalb für Stendal entschieden", sagt Jaspers. Seit Mai vergangenen Jahres betreibt das Ehepaar die psychoanalytische Praxis in der Rolandstadt. Die Beiden seien zuvor drei Wochen durch Sachsen-Anhalt gereist, um einen schönen Fleck zu finden. "Stendal hatte meiner Frau auf den ersten Blick gefallen", erzählt der Analytiker.

"Ich möchte in Stendal etwas inhaltlich bewirken und meine Erfahrungen anbieten", erklärt der Jaspers. Aus diesem Grund habe er zusammen mit seiner Frau die ersten Stendaler Psychotherapietage ins Leben gerufen. Vom 9. bis 11. Mai werden Interessierten im Rathaus verschiedene Vorträge über die Einblicke in psychische Prozesse geboten.