Tangerhütte l Wenn Geschäftsführer Rüdiger Schulz - selbst seit mehr als 40 Jahren im Traditionswerk, das seit 2002 "TechnoGuss" heißt - die vergangenen Monate Revue passieren lässt, dann sagt er: "Die Insolvenz eines Großkunden, aber auch die allgemeine Konjunkturschwäche haben uns große Probleme bereitet." Lohnzahlungen konnten nicht immer pünktlich erfolgen. "Aber sie sind erfolgt", betont er. Wegen der schwierigen Lage in der Branche gab jüngst eine Gießerei in Magdeburg ihre Schließung bekannt.

Erhöhung der Kapitaldecke

Die Schwierigkeiten in Tangerhütte waren Grund genug, die Leistungsfähigkeit des Werkes auf den Prüfstand zu stellen. Seit Januar ist dazu mit Heinz Tümmers zeitweise ein zweiter Geschäftführer ins Unternehmen gekommen. "Wir haben seit 2013 ein neues Konzept erarbeitet, das den Betrieb wieder in die richtige Spur bringen soll", fasst Rüdiger Schulz im Volksstimme-Gespräch zusammen.

Nach Abstimmung mit Banken und Gesellschaftern der "TechnoGuss" soll die Erhöhung der Kapitalstruktur durch zusätzliche Mittel das Unternehmen jetzt wieder auf gesunde Füße stellen. "Wir schätzen heute ein, dass wir mit unserem Kundenpotenzial in den Schwerpunkten Antriebstechnik, Industriearmaturen und allgemeiner Maschinenbau einen gesunden Grundstock haben, der erweitert werden muss", sagt Schulz.

Die spezialisierte Handformgießerei, die Gussstücke mit bis zu 12 Tonnen Gewicht nach Kundenwunsch fertigt und hochmoderne Technik von den Kernschießautomaten bis zur Schmelztechnik verwendet, hat noch Kapazitäten. Von derzeit 10 000 Jahrestonnen Guss will Schulz Schritt für Schritt auf 15 000 Tonnen steigern.

In den vergangenen Monaten konnte bereits die Ausschussquote um fast die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr gesenkt werden. Vertriebsaktivitäten sollen erweitert, neue Großkunden, die jeden Monat Guss abnehmen, gefunden werden. "Wir liefern Rohguss, der in die ganze Welt geht", sagt er. Im frischgedruckten Unternehmensprospekt sind die Highlights, die mit Tangerhütter Gussteilen gebaut wurden, aufgeführt: Das höchste Gebäude der Welt ("Burj Kalifa"), die "Drei-Schluchten-Talsperre" in China und das Kreuzfahrtschiff "Queen Mary 2".

Mitarbeiterstamm erhalten

Aber auch die Nachwuchsgewinnung wird in Zukunft weiter eine wichtige Rolle spielen. Auf junge Leute zu setzen, habe sich bewährt, sagt Schulz. In einer Branche, in der Fachkräfte kaum zu bekommen, sondern nur selbst auszubilden sind, ist die Berufsausbildung in den Bereichen Gießereimechaniker und Modellbauer, aber auch die Unterstützung angehender Diplom-Ingenieure für Gießereitechnik Bestandteil des Unternehmenskonzeptes.

Der Mitarbeiterstamm von derzeit 185 Leuten plus sieben Auszubildenden soll gehalten werden, ein neuer Mitarbeiter im Vertrieb kommt schon bald dazu. Mit den angeschobenen Kapitalstrukturmaßnahmen soll mehr Sicherheit ins Unternehmen gebracht werden. Für die Zukunft hofft Schulz auch auf eine Verbesserung der Infrastruktur, sprich den zeitnahen Ausbau der A 14. "Jede Tonne Guss muss bewegt werden und je näher wir an die Autobahn kommen, umso besser!"

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