Stendal. Einst erlebten sie mit, wie ein neuer Stadtteil gedeiht – nun sehen sie, wie selbiger verkümmert. Aber die Kita "Regenbogenland" steht wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung, und das gar nicht mal schlecht: Mit derzeit 99 Kindern ist die Kita sehr gut ausgelastet, Interessenten für Plätze gibt es aus allen Teilen der Stadt, sagt Leiterin Kerstin Wille. Da kann einem zu Recht nach Feiern zumute sein. Und gestern noch aus einem Grund mehr: Vor 20 Jahren, genauer: am 5. Januar 1991, wurde der Kindergarten in Süd eröffnet. Damals als "Spielhaus", erst mit der Fusion mit dem zweiten Süd-Kindergarten kam der heutige Name.

Zum Geburtstagsfest, das gestern den ganzen Tag andauerte, durften die Kinder nach Lust und Laune basteln, malen, experimentieren, turnen oder bei der Papierschnipselschlacht toben. Es herrschte also reichlich Bewegung und Neugier – und das soll auch so sein, denn Bewegung und das Selbstentdecken haben die Mitarbeiter des "Regenbogenlands" zu ihrem Schwerpunkt in der Erziehung gemacht. "Uns ist wichtig, die Kinder so anzunehmen, wie sie sind, denn jedes Kind ist einzigartig", formuliert Kerstin Wille. Wichtig dabei sei, die persönlichen Lebenssituationen der Kinder zu kennen, sie ihre eigenen Wege finden zu lassen, Neugier und Kreativität zu wecken und zu fördern und sie das Gruppengefühl erleben zu lassen.

Das findet auch Anja Jaenecke besonders wichtig. "Wir wollen den Kindern hier ein warmes Zuhause bieten, eine emotional geprägte Umgebung", sagt die 42-Jährige, die seit der Eröffnung der Kita hier ihren Arbeitsplatz hat. "Das Miteinander, das Gemeinschaftliche, das kriegen wir gut hin. Ich bin stolz auf die 20 Jahre und komme jeden Tag gern her."

Dass die Erzieherinnen ihrem Anspruch gerecht werden, bestätigen nicht nur sie selbst, sondern auch ganz objektiv die hohe Auslastung der städtischen Kita, die von 6 bis 20 Uhr geöffnet ist. "Eltern aus allen Stadtteilen kommen her, sogar aus Stendal-Nord", sagt Kerstin Wille. "Manche kommen bei Wind und Wetter mit dem Rad, fahren anschließend zur Arbeit weiter." Das "Regenbogenland" zieht eben an – und das obwohl ringsum ein ganzes Wohnviertel schwindet.