Stendal l 241 Kinder und Jugendliche lernen an der Stendaler Komarow-Schule - lediglich drei von ihnen nehmen an der Schulspeisung teil. Ein Extrem, das die Mitglieder des kreislichen Schulausschusses auf ihrer Sitzung am Dienstagabend aufhorchen ließ. Dort befassten sie sich mit der Versorgung an den Schulen mit einer warmen Mittagsmahlzeit.

Denis Gruber, 1. Beigeordneter des Landkreises, präsentierte dazu eine Übersicht, die auf den Angaben von 39 Schulen basiert, und nicht nur bei der Komarow-Schule für Aha-Effekte sorgte. So bleiben an der Bismarker Sekundarschule, wo der Preis mit drei Euro pro Portion am höchsten im Landkreis ist, Fahrschülern durchschnittlich nur zehn Minuten, um das Mittagessen einzunehmen. In den Grundschulen Wust und Hohenberg-Krusemark ist es eine Viertelstunde.

Bemerkenswert: An der Schollener Grundschule, wo eine eigene Schulküche für die Mädchen und Jungen kocht, sitzen 53 von 55 Kindern am Schul-Mittagstisch. Das sind 96 Prozent. Insgesamt nimmt im Landkreis fast jeder zweite Schüler an der Schulspeisung teil. Im Durchschnitt der 39 Schulen, die an der Befragung teilnahmen, sind es 49 Prozent.

Aus Sicht von Ausschussvorsitzender Edith Braun (SPD) zu wenig, benötigen die Schüler doch "Energie für einen langen Arbeitstag". In einer ausgiebigen Diskussion machte der Ausschuss drei Hauptgründe für die geringe Teilnahme aus: Die Schüler essen daheim, finanzielle Probleme, die Qualität der Versorgung.

Die Qualität bemessen aber nicht allein Gaumen und Magen. Auch die Länge der Mittagspause, der Zustand des Speiseraumes und die Zeitspanne zwischen Anlieferung und Ausgabe des Essens spielen eine Rolle, sind sich die Ausschussmitglieder sicher. Timo Schönwald (FDP) sieht die mitunter langen Transportzeiten bei der Anlieferung als "tickende Zeitbomben". Henning Richter-Mendau (CDU) forderte "mehr Zeit zum Essen". Braun bezeichnete die knappen Essenszeiten an einigen Schulen als "Skandal" und befürchtet, "das Kulturgut Essen wird wegrationalisiert". Für sie ist die Stendaler Ganztagsgrundschule, wo die Mittagspause in der Regel eine Stunde dauert, beispielgebend.

Sven Oeberst, sachkundiger Bürger im Ausschuss und selbst Lehrer, wie auch Elke Hein, Direktorin des Osterburger Gymnasiums, halten 60 Minuten allerdings für kaum umsetzbar. Das sei mit der Stundentafel und dem "Korsett" des öffentlichen Personennahverkehrs nicht zu vereinbaren.

Peter Zimmermann (Die Linke) und Wolfgang Kühnel (CDU) sprachen sich für eine Analyse des Zahlenmaterials aus. Kühnel warnte vor Pauschalisierungen. So liege die Quote der Kinder und Jugendlichen an Schulen mit eigener Küche, die an der Mittagsversorgung teilnehmen, mit 83 Prozent zwar deutlich über dem Schnitt, aber an der Klietzer Förderschule - ebenfalls mit eigener Küche - essen nur 7 von 51 Kinder, also 14 Prozent.