Stendal l Es war praktisch keine Überraschung mehr: Kerstin Jöntgen bleibt bei ihrer Kündigung. Die Vorstandsvorsitzende ist in den vergangenen Wochen von vielen Seiten gebeten, bisweilen sogar bestürmt worden, doch in Stendal zu bleiben, um ihren konsequenten Kurs bei den Aufräumarbeiten nach den offenkundigen Verfehlungen ihres Vorgängers fortzusetzen.

Im Kreistag musste sich Landrat Carsten Wulfänger (CDU) vor zwei Wochen heftige Vorwürfe gefallen lassen, nicht alles getan zu haben, um die Bankerin zu halten. Fraktionsübergreifend hatten die Kreispolitiker an Wulfänger und den Verwaltungsrat appelliert, Jöntgen noch einmal umzustimmen und ihr eine Vertragsverlängerung anzubieten.

Es fehlte ein klares Signal von Wulfänger

Doch der Riss war in den letzten Tagen nicht mehr zu kitten gewesen. Jöntgen erklärte dies gestern Nachmittag dem Verwaltungsrat hinter den geschlossenen Türen.

Die Vorstandsvorsitzende äußert sich zu ihrer Personalie in der Öffentlichkeit nicht näher. Gegenüber ihren Mitarbeitern hatte sie jedoch deutlich gemacht, wie schwer ihr dieser Schritt nach den Erfolgen der jüngsten Zeit gefallen sei. Gleichwohl hat sie unmissverständlich - wenn auch feinsinnig formuliert - anklingen lassen, dass ihr ein ausreichender Rückhalt bei der Mehrheit im Verwaltungsrat fehle. Aus Kreisen von Politik und Wirtschaft musste der Landrat daher zuletzt mehrfach Kritik einstecken, kein "klares Signal" für eine weitere Zusammenarbeit ausgesandt zu haben.

Derweil droht dem Kreditinstitut neues Ungemach. Am Mittwoch präsentierten Vertreter des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) dem Verwaltungsrat den Prüfbericht über Unregelmäßigkeiten bei Bauvergaben und Autokäufen aus den Jahren 2007 bis 2009. Wulfänger hatte vorab anklingen lassen, dass die Verfehlungen der Jahre 2010 bis 2012 im jetzt untersuchten Zeitraum in ähnlicher Form festgestellt worden seien.

Namhafter Kreispolitiker taucht im Bericht auf

Nach Volksstimme-Informationen sind jetzt auch zwei Mitglieder des damaligen Verwaltungsrates ins Visier der Prüfer geraten. Sie sollen von der umstrittenen Praxis der Bauvergabe profitiert haben. Beide sind 2010 nach langen Jahren der Mitgliedschaft aus dem Gremium ausgeschieden. Während der eine als Rentner der "Gruppe der weiteren Mitglieder" angehörte, die als fachkundige Persönlichkeiten in das Gremium berufen werden, handelt es sich nach ersten Volksstimme-Recherchen bei der anderen Person um einen heute noch aktiven und namhaften Kommunalpolitiker.

Der Landrat wollte gestern keine näheren Informationen zu den Ergebnissen des Prüfberichtes mitteilen. Auch von dem ansonsten üblichen Telefonat nach der Sitzung mit Medienvertretern mochte er "absehen", wie es aus dem Landratsamt hieß.

Wulfänger verwies darauf, dass der Prüfbericht zunächst am 24. April auf der Sondersitzung des Kreistags vorgestellt werde. Dessen Mitglieder hatten diesen Termin beantragt, um offene Fragen zu den Vorwürfen aus der Burmeister-Zeit zu behandeln, damit die Öffentlichkeit umfassend informiert werde. Die Einladung führt diesen Punkt, anders als bei der ersten Debatte im November, indes nur an einer Stelle auf - im nichtöffentlichen Teil.