Stendal l Man muss schon genau hinsehen, um den archäologischen Fund auch tatsächlich als ein goldenes Ei zu identifizieren. "Der Fund ist eine Sensation", sagt Bärbel Hornemann von der Untereren Denkmalschutzbehörde in Stendal. Ende April 2010 hatten Archäologen bei Bauarbeiten am Winckelmannplatz neben zahlreichen Skeletten auch ein vergoldetes Vogelei entdeckt.

"Es gibt in ganz Deutschland keinen vergleichbaren Fund", sagt Hornemann. Daher sei eine Interpretation, was es mit der Grabbeigabe auf sich hat, sehr schwer. Zahlreiche Wissenschaftler haben sich darüber bereits den Kopf zerbrochen und sind zu keinem Ergebnis gekommen.

Knochen und Ei sind rund 800 Jahre alt


Beispielsweise habe sich ein Ornithologe - also ein Vogelkundler - die Eierschale angesehen, berichtet die Stendaler Denkmalexpertin. Mehr als die Aussage, dass es sich um ein Vogel- oder Hühnerei handelt, konnte er nicht herausfinden. "Der Experte wollte sich nicht auf einen bestimmten Vogel festlegen."

Derzeit befindet sich der Stendaler Ausnahmefund in Halle/Saale in einer Restaurationswerkstatt. Mitte des Jahres wird das Ei allerdings nach Stendal zurückgebracht, um es dann neben anderen archäologischen Funden im Winckelmannmuseum auszustellen. Die Eröffnung der Ausstellung wird von einer Fachtagung begleitet.

Neben der ohnehin schon ungewöhnlichen Tatsache des vergoldeten Eis kommt bei dem Fund am Winckelmannplatz aus dem Jahre 2010 noch ein weiteres ungelöstes Rätsel hinzu. Die zwei männlichen Skelette, die in der Nähe des Eis ausgegraben wurden, sind mit dem Kopf Richtung Westen bestattet worden - also genau andersherum als dies im Mittelalter üblich war. "Auch hierauf haben wir bisher noch keine Antwort", sagt Bärbel Hornemann.

Boden konserviert Fundstücke


Zumindest ist klar, dass die menschlichen Überreste und auch das vergoldete Ei aus dem 13. oder spätestens aus dem frühen 14.Jahrhundert stammen müssen. "Dies konnte man anhand von Keramikfunden aus den Grabgruben datieren", so die Stendaler Rathausmitarbeiterin.

Dass die Knochen überhaupt so lange - also rund 800 Jahre - erhalten geblieben sind, hängt mit der Bodenbeschaffenheit zusammen. "Wenn der Boden gleichbleibend trocken ist, trägt dies zur Haltbarkeit bei", so Hornemann. Bislang wurden die Knochen des Fundes aus Kostengründen noch nicht näher untersucht.

Als im März dieses Jahres im Winckelmann-Museum eine Ausstellung über Ostereier eröffnet wurde und einiger Sachverstand zum Thema Eier in der Hansestadt versammelt war, da fragte Bärbel Hornemann nach, ob jemand einer Erklärung für die ungewöhnliche Grabbeigabe habe. Auch dort wusste niemand etwas damit anzufangen. Bislang wurde der sensationelle Fund nicht öffentlich breitgetreten. "Es ist ja noch nicht zu Ende untersucht."

 

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