Die Quote kann sich deutschlandweit sehen lassen: In Badingen leben unter den knapp 400 Einwohnern vier Frauen mit einem transplantierten Organ. Das Quartett feiert jährlich zusammen die zweiten Geburtstage und leistet in Sachen Organspende überregional Aufklärungsarbeit.

Badingen l Annemarie Kumpe feierte am Tag vor Gründonnerstag in Badingen ihren 32. Geburtstag. Am 16. April 1982 wurde ihr eine Niere transplantiert. "Auf den Tag vor 32 Jahren war ich gerade auf dem Weg nach Berlin", erinnert sich die 75-jährige am Geburtstags-Kaffeetisch. Platz genommen haben drei weitere Leidensgenossinnen aus Badingen: Elke Kricheldorf (67) wurde 2001 eine Niere transplantiert, Elisabeth Mertens (58) vor sieben Jahren ein Herz und Roswitha Stoffregen (63) vor acht Monaten ebenfalls eine Niere.

"Man könnte denken, in Deutschland wird jede Menge transplantiert."

Annemarie Kumpe, Badingen

"Man könnte denken, in Deutschland wird jede Menge transplantiert", erzählt Kumpe mit Blick auf das Damen-Quartett im knapp 400 Seelen zählenden altmärkischen Dorf. "Doch dem ist nicht so." Seit dem Organspende-Skandal (Transplantations-Tourismus, Organhandel) sind die Spenderzahlen dramatisch zurückgegangen. Kamen 2009 bundesweit noch 15 Spender auf eine Million Menschen, so waren es im Vorjahr nur noch elf. "Es ist reiner Zufall, dass in Badingen vier Frauen mit einem transplantierten Organ leben", erklärt Annemarie Kumpe.

Für die vier Badinger Frauen und die wartenden Kranken ist die Entwicklung in Sachen Organspende eine Katastrophe. Viele Menschen würden ihre Entscheidung nach dem Skandal von ein paar "schwarzen Schafen" abhängig machen. Doch das Badinger Quartett will der Entwicklung nicht tatenlos zuschauen. Es sorgt im Ort, in der Einheitsgemeinde, im Landkreis und darüber hinaus für Aufklärung. Zunächst solistisch, dann als Duo, danach als Trio und seit dem vergangenen Jahr in besagter Viererrunde.

Die jährlichen Treffen an den jeweiligen Transplantationstagen, den sogenannten zweiten Geburtstagen, dienen der Erinnerung und der Danksagung an die Spender und deren Familien. Zugleich ist es für das Damen-Quartett aber auch ein Tag, an dem sie ihre Aufklärungsarbeit besprechen und planen. "Besonders aufgeschlossen sind junge Leute", sind sich Kumpe, Kricheldorf, Mertens und Stoffregen einig. Deshalb gehen sie seit Jahren an die Schulen und berichten über das sensible Thema sowie aus ihrem Leben. Unterstützt werden sie dabei von Dr. Alexander Krainz vom Nierenzentrum in Stendal.

Bereits am 30. April ist das Badinger Quartett wieder im Stendaler Privatgymnasium zu Gast, um in der elften Klassenstufe den jungen Erwachsenen einen Einblick in das Leben mit einem transplantierten Organ zu geben. "Die Gymnasiasten sind interessiert und stellen jede Menge Fragen", freut sich das Badinger Quartett über die entsprechende Resonanz.

Nach den jeweiligen Organtransplantationen war Annemarie Kumpe, Elke Kricheldorf, Elisabeth Mertens und Roswitha Stoffregen wieder ein lebenswertes Dasein vergönnt. "Wir sind dankbar, dass wir weiterleben konnten", stellt Elisabeth Mertens für die Damenrunde an der Kaffeetafel zum 32. Geburtstag der 75-jährigen Annemarie Kumpe fest.

Die wesentlichen Informationen zur Organspende hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrer Homepage unter www.organspende-info.de zusammengefasst.