Das Hochwasser der Elbe geht zurück. Mit ihm sinkt auch das Wasser in der Tangerniederung. Doch nach wie vor ist die Straße in Richtung Bölsdorf überspült. Das Wiesenhaus ist nicht mit dem Auto zu erreichen. Die Straße hinter dem Wiesenhaus bis nach Bölsdorf liegt noch immer unter Wasser. Seit fast zwei Wochen fahren die Menschen einen kilometerweiten Umweg, wenn sie nach Tangermünde wollen.

Tangermünde/Bölsdorf. Seit dem 14. Januar ist die Straße zwischen Bölsdorf und Tangermünde für Autos gesperrt. Früher als erwartet. Denn Bölsdorfs Ortsbürgermeister hatte noch wenige Tage zuvor gesagt, dass erst bei einem Elbpegel von 6,50 Meter Land unter auf der Straße sein würde. Doch so hoch musste die Elbe gar nicht klettern. Das Wasser aus der Tangerniederung bahnte sich seinen Weg über die Straße zwischen beiden Orten dieses Mal schon viel früher.

Und nicht nur das: Es stieg täglich weiter an. Die Bewohner des Wiesenhauses waren wieder auf sich allein gestellt, versuchten ihr Hab und Gut zu retten, wateten zeitweise durch das hohe Wasser zu Fuß nach Hause. Die Gärten der Anlage im Tangergrund wurden abermals unter dem Nass begraben. Jetzt, da der Pegel wieder sinkt, bleiben an Zäunen und Begrenzungen mitgeschwemmte Schirmständer, Plastikspielzeug, Tonnen und Fässer liegen – all das, was das Wasser sich in den vergangenen Tagen genommen hatte.

Seit vielen Jahren wird von den zuständigen Stellen darum gekämpft, die Situation an diesem Punkt des Landkreises zu entschärfen. Denn jedes weitere Hochwasser erinnert daran, dass die Straße zwischen beiden Orten eine Schwachstelle ist. Die Planungen für einen Neubau der Trasse liegen seit vielen Jahren beim Landesbetrieb Bau, Niederlassung Nord, in der Schublade. Auch der Planfeststellungsbeschluss existiert bereits seit zwei oder drei Jahren. Theoretisch hätte also längst mit der Umsetzung der Pläne begonnen werden können.

Doch da ist einerseits die Sache mit der Finanzierung: Landesmittel müssten für dieses Vorhaben bereitgestellt werden – wurden sie bisher aber nicht.

Andererseits soll nach Auskunft einer Mitarbeiterin des Landesbetriebes Bau alles noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden. Der Grund: Nach dem Hochwasser 2002 wurden die Pegelberechnungen neu in Auftrag gegeben. Die Planung der Straße sei jedoch nach den altbekannten Pegelständen erfolgt. Um nun nicht eine Straße zu bauen, die beim ersten Hochwasser wieder durch das Wasser statt darüber hinweg führt, wartet die Landesbehörde auf die aktuellen Zahlen.

Zur Ermittlung und Abstimmung dieser Werte hat sich eine länderübergreifende Arbeitsgruppe gebildet, deren Arbeit jedoch noch nicht abgeschlossen ist.

Die Mitarbeiterin des Landesbetriebes Bau, Niederlassung Nord, versicherte: "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung der Pläne."

Zum Zustand der Deiche innerhalb der Stadt Tangermünde sagte der Flussbereichsleiter Osterburg des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), Hans-Jörg Steingraf: "Ich bin zufrieden." Die Stadt ist mit dem erst 2002 fertiggestellten Hämertschen Deich und dem nach dem Hochwasser 2002 sanierten Bucher Deich sowie dem Deich rund um Bölsdorf bis hin nach Köckte von nagelneuen Bauwerken umgeben, die dem Wasser der vergangenen Tage tadellos standhielten. Auch wenn im Bereich Köckte die letzten Kilometer neuer Deich noch fehlen, so gab es auch dort nach Aussage des Flussbereichsleiters keine Probleme. Das Wasser habe dort nicht so lange gestanden, dass es hätte zu Komplikationen kommen müssen, sagte er.

Allerdings steht bisher nicht fest, wann dieser Abschnitt, der letzte im Bereich der Stadt Tangermünde, in die Tat umgesetzt wird. Die Planungen dafür sind abgeschlossen. Doch auch hier ist die Umsetzung von den vom Land zur Verfügung gestellten Geldern abhängig.

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