Die Ukrainerin Kateryna Gildebrandt studiert in Stendal Kindheitswissenschaften. Der Förderkreis der Fachhochschule hat sie dafür mit einem Stipendium ausgestattet.

Stendal l Osterhasen kennt Kateryna Gildebrandt aus ihrer Heimat nicht, Ostern natürlich schon. Und so hat die Ukrainerin das vergangene Wochenende mit Ostereiern und selbst gebackenen kleinen, runden Kuchen begangen, die für ihre Landsleute und sie den Frühling symbolisieren. In der Altmark. Die 22-Jährige studiert nämlich in Stendal Kindheitswissenschaften.

Für das Frühjahrssemester ist die junge Frau, die aus der ehemaligen Autostadt Saporoshje stammt, mit einem Stipendium des Förderkreises der Fachhochschule Stendal ausgestattet. Zwei Gründe sprachen für Katja, wie sie ihre Freunde und Kommilitonen rufen. Zum einen sei es der gegenwärtigen politischen Lage in der Ukraine geschuldet, erklärt Vereinsvorsitzender Jörg Hellmuth. Zum anderen, so Vorstandsmitglied Werner Schulze, sei Kateryna Gildebrandt im Gegensatz zu Stipendiaten, die ihr Studium nicht ganz ernst nahmen, "fleißig, und sie integriert sich".

Deutsche Wurzel aus der Ära Katharina II.

Eine Einschätzung ist durchaus möglich, hat sie doch bereits ein Semester in Stendal absolviert. Nach Sozialpädagogik, das sie bereits an der Universität in Saporoshje studierte, hat sie sich nun für Kindheitswissenschaften eingeschrieben. "Ich mag Kinder", begründet sie und erzählt, dass sie bei Praktika an Grundschulen und Sommercamps mit ihnen gearbeitet hat. In ihrer Heimat könnte sie als Grundschullehrerin arbeiten, doch erwägt sie eine Arbeit im Sozialbereich, vielleicht sogar mit einem Masterabschluss. Den strebt sie in Deutschland an.

Ein Aufenthalt in Deutschland war ein Kindheitstraum von ihr, gesteht sie gern. Zum einen habe sie deutsche Wurzel, weil es einen Vorfahren von ihr in Zeiten Katharina II. in den Osten gezogen habe. Zum anderen glaubt sie, hier viel lernen zu können.

Bekanntschaft mit Deutschland machte Kateryna Gildebrandt während eines Austauschprogramms in Oberhausen, der Partnerstadt von Saporoshje, sowie bei Sommerschulen in Stendal und Aachen. "In der Schule habe ich zwar schon Deutsch gelernt, aber wir haben die Sprache kaum gesprochen", erzählt sie. Diese Möglichkeit ergab sich erst mit den Deutschland-Besuchen.

Derzeit belegt sie einen Deutschkurs für ausländische Studenten und meint: "Ich verstehe immer besser, und deshalb gefällt es mir immer besser hier. Ich kann kommunizieren." Auch in ihrer WG, die sie mit einem Franzosen und einem Deutschen teilt. Zwar bleibe viel Hausarbeit bei ihr hängen, erzählt sie lächelnd, aber dafür werde in der WG nur deutsch gesprochen. Das war anfangs anders, als sie gemeinsam mit einer Russin wohnte. "Wir wollten zwar deutsch sprechen, aber sind plötzlich immer wieder beim Russischen gelandet." Gefordert in Deutsch wird sie auch in ihrem Nebenjob. Kateryna Gildebrandt kellnert im "Coffee Inn". Zudem bittet sie ihre Freunde und Gesprächspartner, ihre Sprachfehler zu korrigieren.

Mit Wochenend-Ticket Deutschland erkunden

Die momentane politische Lage in der Ukraine beobachtet sie natürlich mit Sorge. Das Verhältnis zwischen Ukrainern und Russen sei entspannt und Unterhaltungen auf Russisch normal gewesen, berichtet sie auf Nachfrage. Demonstrationen habe es auch in Saporoshje gegeben. "Aber es ist bisher alles in Ordnung. Dennoch: Ich bin besorgt", sagt sie.

Trotz allem muss sie sich auf ihr Studium konzentrieren. "Ich bin sehr dankbar für das Stipendium. Ohne es wäre das Studium in Deutschland für mich kaum möglich", macht Kateryna Gildebrandt deutlich. So steht noch ein kleines Fragezeichen hinter ihrer Stendaler Zukunft, wenn das Stipendium ausläuft. "Unsere Mittel als Verein sind begrenzt. Viel- leicht unterstützen Firmen ja Katja", wünscht sich Werner Schulze.

Dann würde sie in ihrer Freizeit sicher weiter auf Reisen gehen, um Land und Leute kennenzulernen. Leipzig, Hamburg, Köln hat sie unter anderem schon erkundet. Das sei in Deutschland mit dem Schönes-Wochenende-Ticket der Bahn "so einfach".