Der Schinner Kindergarten feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Am kommenden Sonntag wird das Jubiläum gefeiert. Erika Schulz arbeitete 40 Jahre in der Einrichtung, davon 38 Jahre als deren Leiterin.

Schinne l "Wo heute der Kindergarten steht, war damals ein ehemaliges Wochenendhaus eines Stendalers", erzählt Erika Schulz (74), die von 1957 bis zum 31. Dezember 1997 in der Einrichtung tätig war. Von den insgesamt 40 Jahren war sie 38 Jahre die Leiterin des Schinner Kindergartens. Das Wochenend-Grundstück kaufte die Gemeinde, 1954 gab es die offizielle Bestätigung, dass aus der Datsche eine "Einrichtung der Vorschulerziehung" (siehe Infokasten) geworden war. Die Urkunde ist in der Kita hinterlegt.

Erste Leiterin des Kindergartens war Anneliese Ruhnow. "Fräulein Ruhnow ist im Dorf herumgegangen und hat für den Kindergarten geworben", erinnert sich Erika Schulz. Zur Eröffnung konnten zwei Gruppen einziehen, weil im Vorfeld ein Gruppenraum angebaut wurde. Das geschah im Rahmen des Nationalen Aufbau Werkes (NAW) der DDR und auch mit tatkräftiger Unterstützung der Erzieherinnen. "Der Kindergarten hatte damals bereits einen Waschraum mit Becken und zwei Spültoiletten", erzählt Erika Schulz. "Das war damals auf dem Land absolut selten." Dagegen war die Ofenheizung ein echtes Problem. Wenige Jahre nach der Eröffnung des Kindergartens besuchten ihn 67 Kinder. Das ist bis heute der Höchstwert.

1959 wurde Erika Schulz die Leiterin des Schinner Kindergartens. Die gebürtige Ostpreußin verbrachte in Grassau ihre Kindheit und lernte in Schinne den Beruf der Erzieherin. Bereits mit 17 arbeitete sie im Kindergarten. "Ich durfte damals wegen meines Alters nur sechs Stunden arbeiten", erklärt Schulz.

"Mit den Eltern haben wir Steine einer Abriss-Scheune geputzt"

Erika Schulz, Schinne

1960/61 wurden an den Kindergarten zwei weitere Räume angebaut. Wieder über das NAW und zudem mit Lotto-Mitteln. "Zusammen mit den Eltern haben wir die Steine von einer Abriss-Scheune geputzt", erinnert sich die damalige Kindergartenleiterin. Der Kellerzugang wurde geschlossen, die Toiletten vergrößert und der Waschraum wurde mit zehn Becken ausgestattet. "Wir waren damals der modernste Kindergarten auf dem Land", erzählt Erika Schulz nicht ohne Stolz.

Die Gruppenstärken lagen seinerzeit bei 20 bis 22 Kindern, geöffnet war von 7 bis 18 Uhr. "Diese Zeiten mussten abgedeckt werden", stellt Erika Schulz fest. Zum Mittag waren die Kinder die ersten Jahre zu Hause. Ab 1959 kam das Mittagessen von der LPG-Küche. "Frisch zubereitet", sagt Schulz. "Und die Kinder durften sich das Essen allein auftun."

Spielsachen konnte Erika Schulz bei Volk und Wissen in Leipzig bestellen. Pro Kind standen zwölf Mark im Jahr zur Verfügung. "Ich hatte meinen Haushaltsplan", erzählt die 74-jährige. "Damit konnte ich arbeiten." 1974 wurde im Garten der Kita ein Planschbecken gebaut. Der damalige Aushub bildet den heutigen Rodelberg. Da in der Gemeinde Schinne erst 1976 eine Wasserleitung verlegt wurde, hat die LPG das Wasser herangefahren. 1994 wurde der Kindergarten dann aufwendig saniert - neue Heizung (auch für den Fußboden), neue Fenster, neuer Bodenbelag und vieles mehr.

In ihrer 40-jährigen Tätigkeit betreute Erika Schulz drei Generationen im Kindergarten. Zu den ersten Kindern gehörte unter anderem Wilfried Rogge. Zum 50-jährigen Bestehen hatte die ehemalige Kita-Leiterin bereits Bildmaterial zusammengestellt. Zur Jubiläumsfeier am kommenden Sonntag soll eigentlich in Steinfeld der 80. Geburtstag des Ehemanns nachgefeiert werden. "Aber vielleicht fährt mich ja ein Enkel kurz mal rüber nach Schinne", will Erika Schulz natürlich den 60-jährigen ihres Kindergartens nicht verpassen.

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