Stendal l Dass Dieter Burmeister Autos mag, ist in Stendal hinlänglich bekannt. Dass er häufig seine Dienstwagen wechselte, war kein Geheimnis. Den Prüfern des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) geht diese Autoliebe auf Kosten des Kreditinstituts jedoch entschieden zu weit. Bereits im vorigen Herbst hatten sie beim Blick auf die Jahre 2010 bis 2012 moniert, dass der langjährige Vorstandschef fünf verschiedene Dienstwagen gefahren hatte.

Beim nunmehr untersuchten Zeitraum von 2007 bis 2009 waren es sogar sechs. Es ist eine Liste mit wohlklingenden Namen: Nissan Murano, Volvo XC D5, Infiniti FX 45, VW Touareg TPI, Jeep Grand Cherokee und ein Mercedes Benz E 500.

Zwischen vier und 14 Monate lag die Nutzungsdauer - üblich sind nach OSV-Lesart zwölf bis 36 Monate. Burmeisters Praxis provozierte dagegen hohe Verluste zu Lasten der Sparkasse, da die Wertminderung in den ersten Monaten enorm sei, kritisieren die Prüfer.

Fahrtenbuch gehörte zu anderem Fahrzeug

Sie entdeckten zudem, dass der damalige Sparkassenchef sich über diesen Zeitraum ein weiteres Auto gehalten haben muss. Der Mercedes E 320 war 2006 für 49.549,66 Euro angeschafft worden. Das obligatorische Fahrtenbuch war nicht nur unvollständig, sondern enthielt bereits Touren, als der Daimler noch gar nicht im Besitz der Sparkasse war. Es gehörte wohl zu einem anderen Fahrzeug, vermuten die Kontrolleure.

Kuriose Ergebnisse erbrachte auch ihre Befragung eines Fuhrpark-Mitarbeiters. Demnach sei die Luxus-Limousine "für Fahrten mit Individualkunden", "zur Abholung von Gästen vom Bahnhof" oder als "Werkstatt-ersatzfahrzeug für Vorstandsmitglieder" im Einsatz gewesen. Dass dafür fast 50.000 Euro ausgegeben worden sein sollen, dafür hatten die Prüfer am Ende eine prägnante Einschätzung übrig - dies sei "unüblich".

Bei ihrer Suche, was in der Burmeister-Zeit üblich war, gemeinhin aber mindestens als unüblich gilt, durchforsteten die OSV-Prüfer die Unterlagen von 38 Baumaßnahmen des Kreditinstituts mit einem Volumen von mehr als sechs Millionen Euro. Dabei verzeichneten sie Kompetenzverstöße in einem Umfang von mehr als 1,5 Millionen Euro - stattliche 25,52 Prozent des Gesamtbetrags.

Die Summe teilt sich nahezu gleich auf den Ex-Vorstandschef und den damaligen Abteilungsleiter Gerhard U. auf. Bei sieben Baumaßnahmen hätte Burmeister einen Vorstand mitzeichnen lassen müssen, stattdessen gab er jeweils Summen von mehr als 50.000 Euro im Alleingang frei. Abteilungsleiter U. musste ab 10.000 Euro den zuständigen Vorstand einschalten. Bei 28 Baumaßnahmen sei das nicht geschehen.

Aufträge wurden nach Räumen gestückelt

Darüber hinaus registrierten die Prüfer, dass U. in einigen Fällen - etwa durch die Vergabe von Teppichverlegearbeiten oder bei der Möblierung von Geschäftsstellen - Aufträge je Raum beziehungsweise Objekt so gestückelt habe, um unter dieser Grenze zu bleiben. Allein diese Aufträge mit dieser Art von Salamitaktik summieren sich auf 600.000 Euro.

Einen wirtschaftlichen Hintergrund gebe es für diese Vorgehensweise nicht, vielmehr verstoßen sie gegen die Sparkassen-Vorgaben, monieren die Kontrolleure. Mindestanforderungen an eine ordnungsgemäße Bearbeitung seien hier nicht eingehalten worden. Kein Preiswettbewerb und eine künstliche Aufteilung seien Verstöße gegen die Arbeitsanweisungen der Sparkassen.

Angesichts dieser Dimensionen sind Scheinrechnungen, Doppelzahlungen und Rechnungen mit "fehlender sparkassenbetrieblicher Veranlassung" mit einem Volumen von insgesamt 44.000 Euro fast schon ein kleiner Posten.

Kein gutes Zeugnis stellen die OSV-Prüfer da auch der sparkasseninternen Kontrolle aus. Die "Funktionsfähigkeit" des internen Kontrollsystems und eine ordnungsmäßige Geschäftsorganisation in den Bereichen Fuhrpark und Baumanagement sei in dem untersuchten Zeitraum "nicht gegeben" gewesen. Sie sprachen von "erheblichen Kontrollschwächen".

So hatte die interne Revision bei ihren Prüfungen stets allenfalls nur "geringfügige Mängel" attestiert und es bei internen Hinweisen belassen.