Am Bahnübergang in Miltern gab es im vergangenen Jahr mehrere Unfälle, der letzte hatte sich Ende Dezember ereignet. Diese Häufung nahmen die Verantwortlichen jetzt zum Anlass, um über mehr Sicherheit nachzudenken. Zum 1. März wird es Veränderungen geben, zunächst für ein Jahr.

Miltern. "Muss es denn erst Tote geben, bevor endlich etwas geändert wird?" Diese Frage stellte sich eine Einwohnerin aus Miltern Ende vergangenen Jahres. Am Tag zuvor war eine junge Autofahrerin auf dem unbeschrankten Bahnübergang mit dem Zug zusammengestoßen. Sie blieb unverletzt. Doch das Auto war nur noch Schrott.

Mit diesem Unfall erhöhte sich die Zahl der Unglücke auf dem Gleis in Höhe Miltern im vergangenen Jahr auf vier. Erst wenige Wochen zuvor war ein ortsunkundiger Traktorfahrer an selber Stelle schwer verletzt worden, als er ebenfalls mit dem heranfahrenden Zug kollidiert war.

Fakt ist: Der Zug darf, wenn er aus Richtung Tangermünde kommt, ab der Jägerstraße mit Tempo 80 die Strecke passieren, muss nicht am Bahnübergang abbremsen. Erst kurz vor Bindfelde wird der Zugführer per Schild zu einer Geschwindigkeitsreduzierung auf 40 km/h veranlasst.

Um sein Herannahen anzukündigen, gibt der Zugführer vor unbeschrankten Übergängen mehrfach ein Signal. Was in der Tangermünder Jägerstraße fast erschreckt, ist auf weiter Flur kaum wahrnehmbar. Selbst wenn das Autoradio nur ganz leise vor sich hindudelt, muss der Autofahrer die Ohren schon sehr spitzen, um das Tröten des Zuges zu hören.

"Für so viel Gewicht ist unsere Dorfstraße nicht ausgelegt"

Vor einigen Jahren war schon einmal im Gespräch gewesen, den ersten Bahnübergang Milterns aus Richtung Tangermünde kommend mit einer Schranke zu versehen. Die kam nicht. Stattdessen wurde die Strecke ausgebaut. Seitdem schafft es Alma auf 80 km/h.

Während einige Anwohner Milterns nichts dagegen hätten, wenn der erste Bahunübergang komplett verschwinden würde, hat Ortsbürgermeister Klaus-Werner Linke mit diesem Gedanken so seine Sorgen. Der Grund: Direkt hinter dem besagten Bahnübergang befindet sich das Gelände der Agrargenossenschaft. Gäbe es den Übergang nicht mehr, würden die Getreidelaster im Sommer mit ihrer tonnenschweren Last immer durch das ganze Dorf rollen. "Für so viel Gewicht ist unsere Dorfstraße nicht ausgelegt. Sie wäre ruck, zuck! kaputt", gibt Linke zu bedenken.

Tangermündes Ordnungsamtsleiterin Birgit Herzberg hatte sich nach dem letzten Unfall Ende Dezember mit der im Landkreis zuständigen Behörde in Verbindung gesetzt. "Hier muss etwas passieren", sagte sie vor wenigen Wochen am Rande einer Ausschusssitzung.

Das sah man bei der Deutschen Bahn zunächst nicht so. Von der Pressestelle gab es nach dem Hinweis auf den Unfall Ende Dezember folgende Antwort: "Eine Überprüfung hat ergeben, dass die Sichtflächen am Bahnübergang nach dem geltenden Regelwerk vorhanden waren beziehungsweise sind und demzufolge ausreichende Sichtverhältnisse bestanden."

Ganz so einfach machte es sich dann die zuständige Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Stendal allerdings nicht. Nach einer Anfrage der Volksstimme an das Verkehrsministerium des Landes Sachsen-Anhalt nahmen sich die Mitarbeiter hier die Zeit, die Verkehrssicherheit am Bahnübergang Miltern zu überprüfen. Wie Peter Mennicke, Pressereferent im Ministerium, mitteilte, "fand zur Auswertung der Unfälle am 14. Januar eine Besprechung statt, an der neben der unteren Verkehrsbehörde auch Vertreter der Deutschen Bahn, der Stadt Tangermünde sowie der Bundes- und Landespolizei teilgenommen haben". Folgende Festlegungen seien getroffen worden, so Mennicke: "Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit wird die Deutsche Bahn eine Langsamfahrt von 40 km/h im Bereich des Bahnübergangs anordnen.

"Stadt wird Beschnitt der Gehölze überprüfen"

Die Straßenverkehrsbehörde wird ein Abbiegeverbot für Lkw auf der L 30 in beiden Fahrtrichtungen anordnen.

Für den Lkw-Verkehr zu dem anliegenden Landwirtschaftsbetrieb wird eine alternative Zufahrtsmöglichkeit über den anderen Bahnübergang geprüft, um Fahrten durch die Ortslage zu vermeiden."

Außerdem wurde im Zuge dieser Besprechung eine ganz wichtige Entscheidung getroffen: "Die Stadt Tangermünde wird den Beschnitt der Gehölze selbständig regelmäßig überprüfen und durchführen." Wichtig ist das aus diesem Grund, weil in der Vergangenheit mindestens zweimal im Jahr sowohl die Straßenverkehrsbehörde als auch die Bahn von Milterner Bürgern darauf aufmerksam gemacht werden mussten, dass es mal wieder dringend erforderlich sei zu mähen, um freie Sicht auf die Straße zu haben. Eine Reaktion darauf gab es oft erst Wochen später, manchmal auch gar nicht.

Wie der Pressereferent des Verkehrsministeriums mitteilte, würden diese verkehrsbehördlichen Anordnungen beziehungsweise Festlegungen voraussichtlich ab dem 1. März gelten und zunächst auf ein Jahr befristet sein. Das Jahr gelte als sogenannte Erprobungszeit.

Im Übrigen wurde auch die Idee einer Schranke im Rahmen der Besprechung in Betracht gezogen. Allerdings ist die Schaffung einer solchen Anlage mit hohem Aufwand verbunden. So müsste unter anderem von beiden Fahrtrichtungen eine zusätzliche Abbiegespur geschaffen werden.

 

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