Die Zukunft des Tangerhütter Kulturhauses beschäftigt die Menschen - auch Zahnärztin Christiane Stiegler geht das so. Sie initiierte eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Hauses, der sich immer mehr Praxen und Apotheken angeschlossen haben.

Tangerhütte l Es wurmte Christiane Stiegler mächtig, als sie vom Vorschlag, das Kulturhaus abzureißen, in der Volksstimme las. Traurig sei sie gewesen und ganz sicher, dass kein Geld für einen Neubau da sein wird, wenn das Traditionshaus erst mal verschwunden ist. "Wir haben in der Praxis, aber auch mit Bekannten immer wieder diskutiert und gesagt: `Alle sagen, das kann doch nicht sein, aber keiner macht was!` Also mussten wir selbst etwas machen", erklärt die Tangerhütterin. Sie übernahm mit ihren Mitarbeiterinnen die Initiative.

Einschulungen bis Tanzstunden erlebt

Mit den Unterschriftenlisten, die auch in Apotheken der Stadt und in Praxen - unter anderem bei Zahnärztin Marion Schilling und Allgemeinarzt Torsten Nahrstedt - aber auch im Modesalon Doris Schulze ausliegen, wollen die Beteiligten dem Stadtrat zeigen, wie wichtig den Bürgern das Kulturhaus ist.

"Tangerhütte hat jetzt schon fast nichts mehr, das Kulturhaus ist unser letztes Highlight", sagt Christiane Stiegler. Sie selbst erinnert sich an Einschulungen, Jugendweihefeiern und Tanzstunden, die in dem Objekt an der Straße der Jugend gefeiert worden sind, und sie geht bis heute gerne hin.

Die Verbreitung der Unterschriftenlisten sei inzwischen zum Selbstläufer geworden, berichtet sie. Auch in ihrer Praxis haben bis auf Vereinzelte alle Patienten der vergangenen zwei Wochen unterschrieben. Wie viele Menschen insgesamt unterzeichnet haben, wird sich ab kommender Woche herausstellen, bis dahin sollen die Unterschriftenlisten noch bereitliegen, bevor sie gemeinsam dem Stadtrat zugeleitet werden sollen.

Das Kulturhaus in Tangerhütte war 1928/29 als Schützenheim des Hüttenschützenvereins erbaut und 1956 zum Klubhaus der Jugend umfunktioniert worden. 1977 wurde der heutige Vorderhausbau mit Lobby und Gaststätte neu angebaut, 1986 das Hinterhaus als Bühnenhausanbau für die Arbeiterfestspiele fertiggestellt.

2012 ist der kleine Saal im Obergeschoss wegen Brandschutzauflagen gesperrt worden, seit diesem Zeitpunkt ist die Nutzung des großen Saales nur noch mit Auflagen möglich. Seither wird diskutiert, wie die umfangreichen Auflagen abgearbeitet werden können, Abriss und Neubau wurden zuletzt im Bauausschuss favorisiert. Die Entscheidung über die Zukunft des Hauses aber wird der Stadtrat treffen müssen.