Stendal l "Kommen wir zum Tagesordnungspunkt 7 ", rief Kreistagsvorsitzender Lothar Riedinger (CDU) um 17.31 Uhr "Anfragen und Hinweise" auf. Ganze zehn Minuten hatte Landrat Carsten Wulfänger (CDU) zuvor über die aktuellen Situation bei der Kreissparkasse berichtet, bevor Riedinger kurzerhand - ohne nach Wortmeldungen zu fragen - den letzten öffentlichen Punkt dieser Kreistags-Wahlperiode ansagte.

Bei dem hielt es Katrin Kunert (Linke) allerdings nicht auf ihrem Platz. Sie verbarg dabei nicht ihr Erstaunen, dass das brisante Thema so abrupt beendet wurde. Dann stellte sie die für sie entscheidende Frage an den Landrat: "Wann haben Sie das Gespräch mit Frau Jöntgen gesucht?"

Wulfänger wich in seiner Antwort aus: "Ich habe meinen Terminkalender nicht im Kopf. Ein genaues Datum kann ich Ihnen nicht sagen", entgegnete er Kunert.

Wulfänger ließ zehn Tage verstreichen


Zumindest einige der 34 anwesenden Kreistagsmitglieder hätten diese Frage präziser beantworten können. Denn in der Kreispolitik kursiert seit Tagen Unverständnis bis Empörung darüber, dass Wulfänger keine 48 Stunden vor der Sitzung des Verwaltungsrates erst mit der Ende September ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden Kerstin Jöntgen über eine Rücknahme ihrer Kündigung gesprochen hatte.

Damit ließ der Landrat rund zehn Tage verstreichen, bevor er der ihm aufgelegten Bitte aus der Runde der Kreistagsmitglieder nachkam, Jöntgen doch noch umzustimmen.

Wulfänger verwies zudem darauf, dass eine Vertragsverlängerung nach dem Sparkassengesetz frühestens ein Jahr vor dem Auslaufen möglich ist - bei Jöntgen wäre dies ab 1. Juli 2015 der Fall gewesen: "Zum derzeitigen Zeitpunkt sind nur Absichtserklärungen möglich."

Eben da hätte sich Kunert ein deutlicheres Signal gewünscht. "Ehrlicher wäre es gewesen, Sie hätten gesagt, sie wollten nicht mit ihr zusammenarbeiten", stichelte sie Richtung Landrat. Das brachte ihr den Zwischenruf "Unerhört" aus den Reihen der CDU ein. "Keine Unterstellungen", mahnte Sitzungspräsident Riedinger und beendete um 17.35 Uhr den öffentlichen Teil.

Sparkassen-Fuhrpark nur mit zehn Wagen


Die Kreistagsmitglieder hatten sitzen zu bleiben. Auf sie wartete noch der Punkt Informationen des Landrates zur Sonderprüfung für die Jahre 2007 bis 2009 bei der Kreissparkasse Stendal.

Die Ergebnisse des zweiten Prüfberichtes streifte Wulfänger im öffentlichen Teil ganz knapp. Die Verfehlungen in dem nun untersuchten Zeitraum seien "erheblich, aber geringer in Anzahl und Ausmaß" als beim ersten Bericht über die Jahre 2010 bis 2012. "Das lässt den Schluss zu, dass sich die Verfehlungen über einen gewissen Zeitraum aufgebaut haben", schlussfolgerte er.

Allerdings hatte Ex-Vorstandschef Dieter Burmeister von 2007 bis 2009 sechs verschiedene Dienstwagen, in den drei Jahren danach "nur" fünf. Und die Eigenmächtigkeiten von Burmeister und dem ehemaligen Abteilungsleiter durchziehen sich nach Volksstimme-Recherchen sehr gleichmäßig über alle Jahre.

Wie aufgebläht Status-Bereiche waren, lässt sich an einer jüngsten Entscheidung des Verwaltungsrates ablesen: Demnach soll der einstmals 38 Fahrzeuge große Fuhrpark binnen der nächsten zwölf Monate auf zehn abgespeckt werden. Wulfänger: "Wenn es noch weniger werden, umso besser."