Der Vermieter in Süd hat jetzt einen Prokuristen, der regelmäßig vor Ort sein und die missliche Situation der Mieter verbessern will.

Stendal l Seit vier Wochen ist der Düsseldorfer Rechtsanwalt Ramazan Yagan für die Raks AG als Prokurist tätig. Er versichert, dass sich die Situation für die Mieter in Süd bald verbessern werde, bittet im Gespräch mit der Volksstimme aber auch um Geduld.

"Ich war erst gestern bei den Stadtwerken zu einem Termin", sagt er am Freitagvormittag in seinem Büro in Süd. Er habe auch ständig den Kontakt zum Versorger gehalten, widerspricht er der Darstellung von Pressesprecher Rolf Gille, dass sich niemand von Vermieterseite bei den Stadtwerken gemeldet habe. "So einigermaßen habe ich mittlerweile einen Überblick, was schiefgelaufen ist", meint Yagan. Die Außenstände bei den Stadtwerken - allgemein wird von einem "hohen fünfstelligen Betrag" gesprochen - seien auch nicht auf die Raks AG, sondern auf Altlasten zurückzuführen. "Die Eigentümer haben die Blöcke im August 2012 von einer Erbengemeinschaft übernommen", gibt er zu bedenken.

14000 Kilometer in sechs Wochen

Dass erst nach gut eineinhalb Jahren die ungeklärten Verhältnisse in Ordnung gebracht werden, will er so nicht stehenlassen. "Es war aber vielleicht ein Problem, dass meine Vorgänger versucht haben, die Geschäfte von Frankfurt aus zu regeln", vermutet er. Er selbst sei alle 10, mindestens alle 14 Tage in Stendal. So habe er mit seinem Wagen in den vergangenen sechs Wochen rund 14000 Kilometer für die Fahrten zwischen Düsseldorf, Stendal und Frankfurt/Main zurückgelegt. Er hält es aber für einen großen Vorteil vor Ort zu sein. "Ich schaue mir die Wohnungen an, besuche die Mieter, es geht doch hier um Menschen", betont er.

Der Raks AG sei es wichtig, sich um ihre Mieter zu kümmern. So würden auch Fenster geputzt oder gebrechlichen Mietern Unterstützung gegeben. "Von hier will doch auch niemand wegziehen, im Gegenteil", sagt er. Die Mieterzahl sei in den vergangenen Wochen gestiegen, mittlerweile seien es rund 300 Bewohner. Es sei schade, dass Süd so einen schlechten Ruf bekommen habe.

Yagan versteht die Kritik daran, dass die Mieter seit fast vier Wochen weder warmes Wasser noch Fernwärme haben. "Aber man muss doch auch die positiven Seiten benennen", findet er. Dazu gehöre auch, dass der Vermieter Arbeitsplätze geschaffen hat, unter anderem für eine vierköpfige Reinigungsgruppe, einen Hausmeister, eine Büromitarbeiterin. "Und bislang ist hier investiert worden, ohne dass die Raks AG auch nur einen Cent gesehen hat", meint er.

Stadtwerke sollen Bericht bekommen

Die Mieteinnahmen würden nämlich nicht die Kosten decken, so dass sogar Geld draufgelegt würde. Die Eigentümer des türkischen Unternehmens könnten sich ja auch zurückziehen, doch das wollen sie nicht. "Der Türke ist der beste Freund des Deutschen, das war schon in der Geschichte so", sieht er eine fast schon historisch begründete Motivation.

Auf die Frage, wann denn den Mietern wieder warmes Wasser und Fernwärme zur Verfügung stehen werde, muss er eine konkrete Antwort allerdings schuldig bleiben. "Ich habe letztens 10000 Euro überwiesen", sagt er. In der kommenden Woche soll den Stadtwerken ein Bericht des Vermieters zugesandt werden. "Wir sind bei der juristischen Abarbeitung, bis Ende Juni sollten wir mit den Arbeiten fertig sein", vermutet er und fügt hinzu: "Ich bin mir sicher, dass wir in zwei Monaten eine andere Situation haben".