Von ziemlich intensiv bis fast eingeschlafen reicht der Beziehungsstatus zu den Partnerstädten Stendals, Grenoble, Lemgo, Pulawy und Svitavy. Anlässlich des morgigen Welttages der Partnerstädte stellt sich die Frage: Wie lebendig sind die Kontakte zu den vier Kommunen heute?

Stendal l Die Hansestadt Stendal und ihre Partnerschaftsgesellschaft blicken auf insgesamt 26 Jahre Städtepartnerschafts-tradition zurück. Angefangen hat alles vor der Wende im Jahr 1988. Damals war das westfälische Lemgo auf der Suche nach einer geeigneten Partnerstadt in der DDR. Stendal, wie Lemgo eine alte Hansestadt, setzte sich gegen zwei Städte an der pommerschen Ostseeküste durch. Auf einer Reise nach Ost-Berlin hatte die Lemgoer Delegation die Hansestadt in der Altmark besucht und dabei jede Menge Gemeinsamkeiten entdeckt.

"Mit Lemgo unterhalten wir nach wie vor die intensivste Partnerschaft", sagt der Vorsitzende der Partnerschaftsgesellschaft, Steffen Tank. Nach der Wende habe Stendal viel von seinem Partner in den alten Bundesländern lernen können, heute sei es gelegentlich andersrum. Ein reger Austausch finde auch zwischen Sportvereinen sowie der Freiwilligen Feuerwehr beider Kommunen statt. Mittlerweile unterhalte Stendal auch freundschaftliche Beziehungen zu Lemgos englischer Partnerstadt Beverley.

"Mit Städtepartnerschaften ist es wie mit einer guten Ehe, beide müssen Lust drauf haben."

Steffen Tank, Vorsitzender der Partnerschaftsgesellschaft

Noch vor Lemgo war zu DDR-Zeiten das polnische Allenstein Stendals Partnerstadt. "Die Beziehung ist dann wohl irgendwann eingeschlafen", erzählt Steffen Tank. Mit einer weiteren polnischen Stadt ist man seit 15 Jahren partnerschaftlich verbunden. Das Verhältnis zu Pulawy ist Tank zufolge sehr herzlich. Zudem hätten ein Stendaler Leichtathletikverein sowie die Grundschule Nord Partner in der Weichselstadt. "Zum 15. Jubiläum fährt eine Stendaler Delegation im Herbst nach Pulawy", so Tank.

Genauso lange währt die Städtepartnerschaft mit dem tschechischen Svitavy. Das Engagement ist jedoch in den vergangenen Jahren zurückgegangen, erklärt Tank. Das sei schade. Noch weniger Kontakt bestehe zum französischen Grenoble, das seit 1992 Stendals Partnerstadt ist. "Die Beziehung war nie wirklich mit Leben erfüllt", meint Steffen Tank. Grenoble sei eine Großstadt mit zahlreichen Partnerstädten, worunter Stendal die wenigsten Einwohner habe. Besonderes Bindeglied zwischen beiden Städten sei der in Grenoble geborene, französische Schriftsteller Marie-Henri Beyle (1783-1842), der aus Verehrung zu dem Stendaler Archäologen Johann Joachim Winckelmann das Pseudonym "Stendhal" annahm.

"1200 Kilometer Entfernung sowie die Sprachbarriere sind ein Hemmnis"

Klaus Ortmann, Sprecher der Hansestadt Stendal

Dass die Partnerschaft mit der französischen Alpenstadt eingeschlafen ist, will man im Stendaler Rathaus so nicht stehen lassen. "Eine Delegation aus der Altmark war im vergangenen Jahr zu Gast in Grenoble", sagt Stendals Stadtsprecher Klaus Ortmann. Die Reise sei auf Initiative der Winckelmann-Gesellschaft zustandegekommen. In Frankreich habe man viele neue Kontakte knüpfen können, unter anderem zum neuen Grenobler Bürgermeister. "Partnerschaften sind immer von den handelnden Personen abhängig", so Ortmann, "Vielleicht kommt bald neuer Schwung in die Sache." Man wolle jedoch nichts erzwingen. Eine offene Partnerschaft im kleineren Rahmen sei akzeptabel.

Zu den Rolandfesten sind Ortmann zufolge immer alle Vertreter der Partnerstädte geladen. Die Franzosen hätten sich jedoch schon lange nicht mehr in der Altmark blicken lassen. "1200 Kilometer Entfernung sowie die Sprachbarriere sind ein Hemmnis", so der Stadtsprecher. Stendal sei aber immer bemüht, die Partnerschaften zu fördern. Dabei übernehme man auch die Reisekosten für Gastdelegationen und Jugendgruppen sowie deren Unterbringung.

Wir, als Partnergesellschaft, geben weiterhin Impulse", sagt Steffen Tank. Alles weitere laufe über die Menschen vor Ort. Städtepartnerschaften sind Tank zufolge der beste Weg, den europäischen Gedanken auf lokaler Ebene zu leben.