Stendal l Walter Plathe ist in Stendal kein Unbekannter. Sein Literaturabend mit bekannten und weniger bekannten Anekdoten des Gardelegener/Berliners Otto Reutter ist vielen Besuchern noch in guter Erinnerung.

Am Sonnabend schlüpfte er vor vollbesetztem Saal in die Rolle von Joseph Haseks "Braven Soldaten Schwejk". Zunächst frotzelte er, in Zeiten großer Sparmaßnahmen kein großes Ensemble vorweisen zu können, auch ein Orchester bliebe ihm versagt. Man müsse also mit einem "mittelmäßigen" Schauspieler wie ihm und einem begleitenden Pianisten zufrieden sein. Das aber war für den Abend kein Manko. Walter Plathe war dabei der fröhlich einher schreitende "Vollidiot" des Kaisers, der aber nicht zu schade war, für eben diesen im Krieg den Heldentod zu riskieren. Bemerkungen, die die Absurdität der ihm übertragenen Aufgaben deutlich machte.

Prager Bierkneipe und andere Schauplätze

Seine Erzählung vollzieht sich in der Kulisse der Prager Bierkneipe, aber man wird durch seine eigene Fantasie auch immer mit auf die verschiedenen Schauplätze hingeführt, wenn Schwejk seine Erlebnisse mit dem Amtsarzt preisgibt, erzählt, wie er für seinen Oberleutnant Lukas einen Hund von dessen vorgesetzten Oberst "organisiert" und dafür beide an die Front geschickt werden.Der Zuschauer erlebt das Polizeiverhör mit, in dem Schwejk als russischer Spion enttarnt werden soll. Man amüsiert sich über die weltbekannt gewordene Zahlendreherei, mit der man sich eine fünfstellige Zahl merken soll - eine großartige Nummer des Schauspielers - und kann mit ihm am Ende des Krieges aufatmen. Er hat überlebt.

Walter Plathe als Schwejk findet für jede Situation eine Episode aus seinem bisherigen Leben, die das augenblickliche Geschehen ad absurdum führt. Wenn er gelegentlich bis ins Gegenwärtige hinein spekuliert, Frau Merkel oder den Krimkonflikt wie selbstverständlich in sein Schwadronieren einbezieht, spürt man, wie aktuell Schwejk seit seinem Erscheinen geblieben ist.