Stendal l Schon am Eingang des Stendaler Tiergartens wurden die Mai-Tag-Besucher gestern von den Wahlkämpfern von SPD, Linke und Grünen empfangen. Die Besucher erhielten wahlweise Nelken, Blumensamen, Prospekte und ein paar nette Worte.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte traditionell zu der Mai-Kundgebung eingeladen. Unter dem Motto "Gute Arbeit - soziales Europa" wurde diesmal noch ein bisschen mehr als in anderen Jahren Wahlkampfstimmung verbreitet. Schließlich werden in dreieinhalb Wochen das Europaparlament sowie die lokalen Gremien wie Stadtrat und Kreistag gewählt.

Unfaire Arbeitsbedingungen werden angeprangert

Themen wie Mindestlohn, Rente mit 67 und ein Freihandeslabkommen zwischen der EU und den USA waren zentrale Themen, die Regionalleiter Peter Schulze von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt in seiner kampfbetonten Rede auf der Bühne im Tiergarten ansprach. Es gebe viele unfaire Arbeitsbedingungen, betonte Schulze. "Werkverträge, Leiharbeit, Minijobs, Scheinselbstständigkeit, Arbeit auf Abruf, Entsendung, sachgrundlose Befristung - es gibt mittlerweile viele Namen dafür", sagte der Gewerksschaftsfunktionär. Er forderte zum Urnengang auf, insbesondere auch zur Wahl des EU-Parlaments. Viele Beschäftigte seien beim letzten Mal nicht wählen gegangenen. "Geht wählen und schleift andere mit, damit diesmal nicht wieder das Bürgertum allein die Wahl entscheidet", so Schulze. Er betonte auch, dass es ein NPD-Verbot geben müsse. 1933 hatten die Nationalsozialisten am 2. Mai die Gewerkschaften verboten.

Schmotz kritisiert unsoziale Vermieter in Stendal-Süd

Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) sagte in einem Grußwort, dass es ein soziales Europa nur dann gebe, wenn die Städte "lebenswert" bleiben würden. Dazu würden "vernünftige und solide Wohnverhältnisse" gehören. Dies sei in Stendal durch den Umbau des Stadtseeviertels in besonderer Weise gelungen. "Das ist nicht überall so", sagte Schmotz. Auch in Stendal gebe es in Süd Vermieter, die Ungerechtigkeiten schaffen würden.