Das Abrissgrundstück der alten Weidling-Mühle soll nicht lange brach liegen. Auf der innenstadt- und parknahen Fläche plant der DRK-Kreisverband sein Senioren- und Betreuungszentrum "Am Schwanenteich". Bis Ende 2012 sollen dort elf Millionen Euro investiert werden.

Stendal. Nur die Straße Hinter der Mühle wird die Erinnerung an diesen Teil der Stendaler Industriegeschichte wachhalten. Anstelle des imposanten Backsteinbaus – 1903 eröffnet, nach Bränden 1921 und 1922 immer wieder aufgebaut, vor wenigen Tagen die Reste bis auf ein Silogebäude gesprengt – soll in diesem und im nächsten Jahr ein modernes kleines Viertel für Senioren entstehen. Der DRK-Kreisverband will hier, in unmittelbarer Nähe sowohl zur Innenstadt als auch zum August-Bebel-Park, sein Senioren- und Betreuungszentrum "Am Schwanenteich" bauen.

Der um einen grünen Innenhof gruppierte zweigeschossige Komplex wird aus sechs Teilen mit unterschiedlichen Angeboten für Senioren gestehen:

- Der Empfangsbereich bildet die südwestliche Spitze des Komplexes, die man von der Fabrikstraße aus erreicht. Er beherbergt eine Cafeteria mit Außengastronomie, Arzt- und Therapiepraxen, Apotheke, Bäckerei, Räume für Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, dem Stadtseniorenrat oder auch dem Theater der Altmark. Auch die DRK-Sozialstation, jetzt in der Moltkestraße, wird hier einziehen.

- Daran schließt sich parallel zur Uchte ein Gebäude mit 28 Wohnungen für betreutes Wohnen an – für Senioren, die ihr Leben noch weitgehend selbst gestalten.

- In einem Nebenflügel ist Platz für zwei Wohngemeinschaften für jeweils sieben Bewohner, die noch selbständig sind, aber nicht allein leben wollen.

- In einem weiteren Gebäude wird ein Tagespflegebereich mit 14 Plätzen eingerichtet.

- Auch eine Pflegepension für sechs Bewohner entsteht.

- Das größte Gebäude und Kernstück der Anlage schließt östlich an den Empfangsbereich an und wird ein stationäres Pflegeheim mit 49 Plätzen aufnehmen, das einen kleinen Innenhof umschließt.

DRK-Geschäftsführer Frank Latuske sprach bei der gestrigen öffentlichen Vorstellung des Projekts von einem Seniorenheim der fünften Generation, das "Modellcharakter für das ganze Land" habe. Auf der Altenheim-Expo in Berlin habe das Vorhaben bereits große Aufmerksamkeit erregt. Das Konzept sei ein anderes als das der bisher üblichen Einrichtungen. "Unser Ansatz ist konsequent nutzerorientiert", sagte er. "Das heißt: Die Bewohner oder die Nutzer aus dem Stadtgebiet können sich aus unserem großen Angebotspaket die Hilfe, die sie benötigen, selbst aussuchen." Angestrebt werde eine enge Verzahnung mit der Stadt und ihren Bewohnern – das Gegenteil eines isolierten Pflegeheims.

Das stationäre Heim werde je nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit aus vier Hausgemeinschaften mit jeweils 12 oder 13 Bewohnern bestehen. Latuske: "Sie sollen möglichst vieles gemeinsam machen und ihren Tagesablauf selbst gestalten." Im Heim entstehen 55 Arbeitsplätze.

Wie Thomas Legde, kaufmännischer Leiter des DRK-Kreisverbandes, sagte, liege die Baugenehmigung vor, allerdings mit einigen Auflagen, an denen derzeit intensiv gearbeitet werde. In diesem Jahr soll das elf Millionen Euro umfassende Großprojekt in Angriff genommen werden. Die Fertigstellung ist für Ende 2012 geplant.